Mohammed-Karikaturen schüren neuen Hass

19. September 2012, 17:14 Uhr · Quelle: dpa

Paris/Berlin (dpa) - Ein Pariser Satire-Blatt fordert die islamische Welt heraus: Seitenweise derbe Mohammed-Karikaturen lassen Frankreich und den Westen insgesamt vor neuen anti-westlichen Unruhen zittern, nachdem schon das islamfeindliche Mohammed-Video für gewalttätige Massenproteste gesorgt hatte.

Zahlreiche französische Einrichtungen im Ausland sollten vor den Freitagsgebeten sicherheitshalber geschlossen werden, nachdem die Wochenzeitung «Charlie Hebdo» am Mittwoch mit neuen islamkritischen Karikaturen provozierte.

Betroffen sind nach Angaben des Außenministeriums in Paris Botschaften, Konsulate und Schulen in rund 20 Ländern. Auch Deutschland verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault rief die Medien seines Landes auf, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. «Charlie Hebdo» legt trotzdem noch einmal nach und will bis Freitag eine Sonderauflage der aktuellen Ausgabe hinterherschieben. Die ersten 75 000 Exemplare waren am Erscheinungstag bis zum Nachmittag ausverkauft.

In islamischen Ländern rund um den Globus gibt es seit einer Woche Massenproteste gegen ein Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Etliche Menschen starben, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen.

Der explosiven Lage zum Trotz veröffentlichte «Charlie Hebdo» eine ganze Serie neuer Karikaturen, die mindestens an die Grenze der Geschmacklosigkeit gehen. Eine Zeichnung zeigt den Propheten nackt in Gebetshaltung mit hoch aufgerecktem Hintern. Darüber hat der Zeichner einen großen gelben Stern gesetzt. Das Bild ist überschrieben mit dem Satz: «Ein Stern ist geboren.»

Strenggläubige Muslime empfinden bereits Filme oder Karikaturen als anstößig, die den Propheten Mohammed als Person zeigen. Das ist nach ihrer Glaubensauffassung verboten. Mohammed-Karikaturen hatten daher schon mehrfach Unruhen in der islamischen Welt ausgelöst. Anfang 2006 kamen dabei mehr als 150 Menschen ums Leben. Auslöser waren damals Karikaturen in der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten».

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kündigte an, die nach einem Angriff vom Freitag geschlossene deutsche Botschaft im Sudan vorerst nicht wieder zu öffnen. Auch für andere deutsche Vertretungen seien die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden. Der Schutz der Pariser Botschaft in Berlin befindet sich nach Polizeiangaben «auf einem hohen Niveau» und werde ständig der Lage angepasst.

In Paris verbot die Regierung eine für diesen Samstag geplante Demonstration gegen das islamfeindliche Video. Es geben keinen Grund, Konflikte zuzulassen, die mit dem eigenen Land nichts zu tun hätten, erklärte Premierminister Ayrault in einem Radiointerview.

In einer Stellungnahme missbilligte er jeglichen Medienexzess. In Frankreich gelte die Meinungsfreiheit, zugleich müssten aber Toleranz und Respekt gegenüber religiösen Überzeugungen gewahrt bleiben. Außenminister Westerwelle sagte: «Nicht der ist der größere Freigeist, der jetzt auch noch absichtlich und mit erkennbarer Wirkung Öl ins Feuer gießen will.» Der Chefredakteur des deutschen Satire-Magazins «Titanic», Leo Fischer, sprang den Pariser Kollegen hingegen beiseite. Die Veröffentlichung sei «absolut gerechtfertigt».

«Charlie Hebdo» hatte die Karikaturen bereits im Vorfeld verteidigt und auf die Pressefreiheit verwiesen. Die Zeichnungen seien nicht provozierender als gewöhnlich, sagte der verantwortliche Redakteur Stéphane Charbonnier. Sie würden nur diejenigen schockieren, die schockiert sein wollten. Der Internet-Auftritt der Zeitschrift wurde am Mittwochmorgen von Hackern lahmgelegt und war erst nach Stunden wieder erreichbar. Das Blatt vermutete radikale Islamisten hinter der Attacke. Das Redaktionsgebäude stand unter verstärktem Polizeischutz. Das Satiremagazin hatte wegen ähnlicher Provokationen bereits mehrfach Ärger. Nach einer «Scharia»-Sonderausgabe mit einem «Chefredakteur Mohammed» gingen im November 2011 die Redaktionsräume in Flammen auf.

Auch das ausschnittsweise auf dem Internetportal YouTube veröffentlichte Mohammed-Schmähvideo sorgte weiter für Aufruhr. In der ostafghanischen Provinz Nangarhar protestierten etwa 400 Studenten, sie riefen anti-amerikanische Parolen. König Abdullah von Saudi-Arabien drohte, im gesamten Königreich den Zugang zu YouTube zu sperren, sollte die Internet-Suchmaschine Google weiter Links zu dem Video anbieten. Die USA kündigten «aggressive Schritte» zum Schutz ihrer diplomatischen Vertretungen an.

In Deutschland wird weiter über rechtliche Konsequenzen diskutiert. Die Bundesregierung will den sogenannten Gotteslästerungs-Paragraphen 166 im Strafgesetzbuch aber unverändert lassen. Unter anderem aus der schwarz-gelben Koalition hatte es Forderungen gegeben, die Verunglimpfung religiöser Gefühle schärfer zu bestrafen. Die Stiftung «Cinema for Peace», die in Berlin zu einer Diskussionsveranstaltung mit Filmausschnitten aus dem Mohammed-Video eingeladen hatte, machte am Mittwoch einen Rückzieher.

Konflikte / Islam / Religion / Karikaturen / Frankreich
19.09.2012 · 17:14 Uhr
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