Zurückhaltende Saisonaleinstellungen im US-Einzelhandel: Ein Jahrzehnt-Tiefpunkt?
Eine deutliche Kehrtwende in der bisherigen Praxis der saisonalen Arbeitseinstellungen zeichnet sich bei Einzelhändlern in den USA ab. Im Gegensatz zu den üblichen großen Einstellungswellen während der Feiertage, um dem Ansturm auf die Läden gerecht zu werden, gehen die Prognosen dieses Jahr in eine andere Richtung. Der Grund dafür, so die Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas, ist das Zusammentreffen mehrerer belastender Faktoren: steigende Kosten durch US-Zölle auf ausländische Waren, die zunehmende Inflation und der verstärkte Einsatz von Technologie zur Effizienzsteigerung.
Dabei wird erwartet, dass die Anzahl der saisonalen Arbeitskräfte auf das niedrigste Niveau seit 2009 sinken wird, dem Jahr, in dem die Wirtschaft sich gerade erst von der globalen Finanzkrise erholte. „Die Unternehmen stehen in dieser Saison vor einer Mischung aus entscheidenden Herausforderungen: Drohende Zölle, dauerhafte Inflationsdrucke und viele Unternehmen entscheiden sich, eher auf Automatisierung und Stammbelegschaften als auf eine hohe Zahl saisonaler Einstellungen zu setzen,“ erklärt Andy Challenger, Experte für Arbeitsmärkte und Senior Vice President bei Challenger, Gray & Christmas.
Eine schwächere Prognose der saisonalen Einstellungszahlen geht mit einem zunehmend wackeligen US-Arbeitsmarkt einher. So wurden im August lediglich 22.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, was die Erwartungen der Ökonomen bei weitem verfehlt. Gleichzeitig sind die Inflationsraten merklich gestiegen. Dieser zaghafte Ausblick wird zudem davon bestätigt, dass Retailer ungewöhnlich wenige Ankündigungen für Aushilfskräfte machen.
Auch die aktuelle Umfrage der University of Michigan zeigt, dass viele Verbraucher planen, ihre Ausgaben, besonders bei zollbedingten Preiserhöhungen, zurückzufahren. Produkte wie Audioausrüstung und Haushaltswaren verzeichnen bereits zweistellige Preisanstiege. Andy Challenger betont, dass diese Welle der Unsicherheit nicht nur die Einzelhändler, sondern auch die Verbraucher betrifft, und dass die Unternehmen zunehmend gezwungen sind, mit weniger Ressourcen mehr zu leisten.

