Zollabkommen als Stimmungsbarometer am Aktienmarkt
Am deutschen Aktienmarkt erlebte das Zollabkommen zwischen der EU und den USA einen ersten Stimmungstest, der die anfängliche Euphorie rasch abebben ließ. Der DAX, der zwischendurch fast um ein Prozent zulegte, näherte sich seinem fast Drei-Wochen-Hoch von 24.639 Punkten, schloss jedoch mit einem moderaten Plus von nur 0,6 Prozent bei 24.370 Zählern. Der MDAX zeigte mit einem Anstieg von 0,8 Prozent auf 31.730 Punkte eine ähnliche Entwicklung, während der EuroStoxx 50 sogar um ein Prozent stieg.
Das Abkommen, das einen Basiszollsatz von 15 Prozent für die meisten europäischen Importe in die USA festlegt, wurde zunächst mit Hoffnung aufgenommen. Besonders im Lichte der jüngsten Einigung der USA mit Japan, galt die Spekulation auf den Europa-Deal als Erfolgsstory. Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets kommentierte, dass das Risiko eines Handelskonflikts abgewendet wurde und der DAX nun weniger Gegenwind aus den USA verspürt.
Dennoch hinterlässt das Abkommen gemischte Gefühle. Stanzl zufolge wirkt es eher wie ein begrenzter Kompromiss und trägt die klaren Züge von Trumps 'America First'-Politik, was der anfänglichen Euphorie bei Autoherstelleraktien wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz einen Dämpfer versetzte.
Positivere Reaktionen provozierte der Zoll-Deal hingegen bei Pharmawerten. Richard Vosser von JPMorgan äußerte sich optimistisch, dass die Belastungen für die Branche verringert wurden. Dies spiegelte sich im Kurs von Sartorius wider, dessen Aktie um 1,3 Prozent zulegte, unterstützt durch positive Einschätzungen von Analysten bei Bernstein Research. Auch Merck konnte mit einem Kursplus von 2 Prozent profitieren.
Ein herausragendes Kursfeuerwerk entfachte ProSiebenSat.1 im SDAX mit einem Aufwärtssprung von 10,7 Prozent, ausgelöst durch ein erhöhtes Übernahmegebot von MediaForEurope. Nordex zählte mit einem Anstieg von 4,5 Prozent zu den besten Werten im MDAX, nachdem der Windanlagenhersteller seine Profitabilität im letzten Quartal deutlich aufpoliert hatte.

