Zoll-Poker: Anleger in Erwartung turbulenter Zeiten
Die internationale Handelslandschaft erlebt dieser Tage eine spannungsgeladene Phase. Am kommenden Mittwoch endet die Verhandlungsfrist für ein Handelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union. Während andere Nationen fieberhaft versuchen, einer Strafzollandrohung von US-Präsident Donald Trump zu entgehen, sind die Hoffnungen auf eine Verlängerung der Frist geschwunden. Einige kurzfristige Abkommen könnten noch im letzten Moment abgeschlossen werden, doch viele Staaten, einschließlich der EU, müssen sich auf steigende Zölle einstellen.
Analyst Thomas Altmann von QC Partners warnt vor den möglichen Auswirkungen auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die EU hat signalisiert, gegebenenfalls einen US-Basiszoll von zehn Prozent zu akzeptieren, aber eine umfassende Einigung vor Ablauf der Frist scheint unwahrscheinlich. Chefstratege Robert Greil von Merck Finck hält daher auch Teilabkommen für einen Erfolg und rechnet aufgrund der Unsicherheiten mit erhöhter Marktvolatilität.
Trotzdem sehen Experten wie Robert Halver von der Baader Bank dem Geschehen mit Skepsis entgegen. Die Amerikaner könnten ihre Importzölle im Vergleich zur Prä-Trump-Ära verdreifachen, was das zukünftige Gewinnwachstum der US-Konzerne beeinträchtigen könnte. An der Wall Street wird bereits über ein Ende des Gewinnwachstumstrends spekuliert. Dennoch zeigen sich die Aktienmärkte derzeit relativ unbeeindruckt.
Der DAX bleibt nahe seinem Höchststand vom Juni, obwohl er vergangene Woche einige Punkte einbüßte. Trotz eines starken ersten Halbjahres mit einem Plus von rund 20 Prozent wird für die kommende Zeit keine dynamische Entwicklung erwartet. Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen prognostiziert mögliche Kursverluste, und Jochen Stanzl von CMC Markets sieht das Sommerloch als weiteres Hindernis.
Erfolgsmeldungen im Handelskonflikt könnten ausschlaggebend sein, um den Abwärtstrend zu stoppen. Die bevorstehende Woche bietet nur spärliche Termine, die für Bewegung sorgen könnten. Wichtige wirtschaftliche Kennzahlen wie die deutsche Industrieproduktion und Handelsbilanz für Mai sowie Inflationsdaten für Juni rücken in den Fokus.
Bei den Unternehmen stehen erneut die Autobauer im Rampenlicht. Mercedes-Benz und Volkswagen liefern am Montag und Mittwoch Updates zu Absatzzahlen, während Südzucker und Gerresheimer am Donnerstag ihre Quartalszahlen präsentieren.

