Zocken zum Nulltarif: Xbox bestätigt Experiment mit werbefinanziertem Cloud Gaming
Microsoft hat offiziell bestätigt, an einer kostenlosen, werbefinanzierten Stufe für Xbox Cloud Gaming zu arbeiten. Dieses Modell, das sich aktuell in einer internen Testphase befindet, wäre das erste Game-Streaming-Angebot des Unternehmens, das vollständig unabhängig vom Game Pass-Abonnement funktioniert. Es ist ein Vorstoß, der das Potenzial hat, Millionen neuer Spieler in das Xbox-Ökosystem zu locken, aber auch eine Initiative, die mit erheblichen wirtschaftlichen Hürden verbunden ist.
Die Bestätigung eines wachsenden Gerüchts
Die Enthüllung dieses internen Experiments erfolgte durch einen Unternehmensvertreter gegenüber der New York Times und untermauerte damit einen kurz zuvor erschienenen Bericht von The Verge, wonach eine werbegestützte Version von Xbox Cloud Gaming bereits Anfang Oktober 2025 ausgewählten Microsoft-Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wurde. Diese Entwicklung markiert die nächste Evolutionsstufe einer Plattform, die 2019 unter dem Codenamen xCloud das Licht der Welt erblickte und seitdem schrittweise für immer mehr Game Pass-Abonnenten geöffnet wurde. Ein gänzlich kostenloses Angebot wäre jedoch ein Paradigmenwechsel.
Die nüchterne finanzielle Gleichung
Doch jenseits der euphorischen Vision vom kostenlosen Spielen steht eine nüchterne wirtschaftliche Realität. Aus Dokumenten, die im Zuge des massiven Xbox-Leaks während des Rechtsstreits mit der FTC um die Activision-Blizzard-Übernahme an die Öffentlichkeit gelangten, geht hervor, dass der Betrieb von Xbox Cloud Gaming Kosten von etwa 0,03 US-Dollar pro Stunde für ein Streaming-Erlebnis bei 1080p und 60 Bildern pro Sekunde verursacht. Stellt man diesen Kosten die potenziellen Werbeeinnahmen gegenüber, wird die Gleichung kompliziert. Studien zeigen, dass der Tausend-Kontakt-Preis (CPM) für Social-Media-Werbung stark variiert, sich aber oft in einem Bereich bewegt, der es äußerst schwierig machen würde, die Betriebskosten allein durch Werbung zu decken. Eine direkte Profitabilität wäre wohl nur dann erreichbar, wenn Microsoft von Werbetreibenden einen signifikanten Preisaufschlag für den Zugang zu einer hochgradig engagierten Zielgruppe verlangen könnte.
Der strategische Schachzug hinter den Kulissen
Sollte ein solches Freemium-Modell also tatsächlich das Licht der Welt erblicken, dürfte es weniger eine unmittelbare Profitinitiative als vielmehr ein strategischer Schachzug zur massiven Erweiterung der Nutzerbasis sein. Es würde als eine Art „Einstiegsdroge“ fungieren, um Spieler an die Plattform zu binden und sie langfristig möglicherweise für kostenpflichtige Abonnements oder Spielekäufe zu gewinnen. Die technische Grundlage dafür würde das „Bring-Your-Own-Game“-System bilden, das Xbox Cloud Gaming seit Ende 2024 unterstützt und es Nutzern ermöglicht, bereits gekaufte Titel zu streamen. Es ist ein potenzieller Game-Changer, dessen Erfolg oder Scheitern die gesamte Branche aufmerksam beobachten wird.


