Indien als strategischer Pfeiler: Deutsche Wirtschaft fokussiert auf Wachstumspotential
Indien gewinnt als strategisch bedeutsamer Zukunftsmarkt rasant an Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, betont der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Dank seiner dynamischen Wirtschaft, der jungen Bevölkerung und der stark wachsenden Industrie erscheint das riesige Land als attraktiver Partner, besonders für die Diversifizierung der Lieferketten und zur Stärkung der internationalen Wertschöpfung.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird am Sonntag mit einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation nach Indien reisen. Diese Visite unterstreicht die Bemühungen, wirtschaftliche Abhängigkeiten, insbesondere durch den Ausbau der Beziehungen abseits von China, zu minimieren. Indien, obwohl flächenmäßig eindrucksvoll, nimmt bislang nur den 23. Rang in der Liste der deutschen Handelspartner ein, während Deutschland für Indien in der EU den Spitzenplatz einnimmt. Im Jahr 2024 wurde ein Handelsvolumen von 31 Milliarden Euro verzeichnet, wobei Deutschland mehr exportierte als importierte. Hauptausfuhrgüter sind Maschinen und chemische Produkte, während aus Indien hauptsächlich pharmazeutische Produkte und Textilien importiert werden.
In den letzten zehn Jahren hat sich das Handelsvolumen verdoppelt. Deutsche Direktinvestitionen in Indien kletterten 2023 auf 27 Milliarden Euro, ein signifikanter Unterschied zu den 100 Milliarden Euro, die in China investiert wurden. Maschinenbau, Automobilindustrie und Chemie zählen zu den größten Profiteuren der indischen Industrialisierung. Energietechnologien, Digitalisierung und Infrastrukturentwicklung gelten als weitere aufstrebende Zukunftsfelder, von denen deutsche Unternehmen profitieren könnten. Rund 2.000 deutsche Firmen beschäftigen in Indien über 500.000 Menschen.
Während die EU den Weg zu einer Freihandelszone mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten bereits freigemacht hat, bleibt ein Handelsabkommen mit Indien noch in der Verhandlung. Die deutsche Wirtschaft begrüßt mehrheitlich ein solches Abkommen, das Marktzugänge erweitern und Handelsbarrieren abbauen soll. Bei erfolgreichen Verhandlungen könnten Zollsenkungen in zahlreichen Sektoren, speziell im Automobil- und Maschinenbau sowie im Chemiesektor, folgen. Der Abbau technischer Handelshemmnisse und bürokratischer Hürden in Indien stellt ein weiteres wichtiges Anliegen für deutsche Unternehmen dar.

