Xbox Game Pass lohnt sich für Microsoft – aber zu welchem Preis?
Chris Dring, Mitbegründer von „The Game Business“ wollte Klarheit schaffen. Oder Aufmerskamkeit erregen. Mit seiner neuen Aussage über die Profitabilität von Xbox Game Pass entfesselte er stattdessen eine der hitzigsten Diskussionen der letzten Wochen. In einem nüchternen Tweet erklärte er heute:
„Xbox Game Pass ist profitabel, selbst wenn man die entgangenen Einnahmen durch First-Party-Spiele berücksichtigt.“
Ein einfaches Statement, das ein komplexes System betrifft. Denn Game Pass ist längst mehr als ein reiner Abo-Service. Er steht im Zentrum von Microsofts Gaming-Strategie. Und damit auch im Kreuzfeuer der Kritik.
Die große Frage: Was bedeutet „profitabel“?
Profitabel klingt gut, aber es ist ein dehnbarer Begriff. Selbst für Microsoft. Dring räumt ein, dass die interne Buchhaltung bei Microsoft komplex ist. First-Party-Spiele führen ihre eigenen Gewinn- und Verlustrechnungen, getrennt vom Game Pass. Kritiker fragen: Zählt man dann überhaupt fair? Oder macht Game Pass nur dank kreativer Verrechnungsmethoden schwarze Zahlen?
Immerhin: Wenn ein Spiel im Abo landet, wird es weniger verkauft. Ist es dann ein realer Verlust? Irgendwo muss man auch gegenrechnen, immerhin kostet das Spieleabo auch Geld für den Nutzer. Und genau dort beginnt der Graubereich. Denn Microsoft veröffentlicht keine detaillierten Game-Pass-Zahlen. Keine Kosten, keine Ausgaben, keine Umsätze pro Spiel. Nur allgemeine Nutzerzahlen und gelegentliche Erfolgsmeldungen.

Helldivers 2 für den Xbox Game Pass? Dazu gab es klare Worte! – Bilder: Arrowhead, Xbox – Bildmontage
Studio-Schließungen trotz „Erfolg“ – ein Widerspruch?
Die große Frage, die viele Fans beschäftigt: Wenn Game Pass wirklich profitabel ist, warum werden dann Studios geschlossen?
Das Beispiel Hi-Fi Rush ist sinnbildlich. Gelobt von Kritikern, gefeiert von Fans und doch wurde Tango Gameworks – vorerst – dichtgemacht (und später von Krafton übernommen). Für viele ist das ein klares Zeichen: Game Pass mag als Produkt gut funktionieren, aber Entwicklerstudios könnten dabei auf der Strecke bleiben.
Reddit-User GuudeSpelur bringt es in einem Beitrag auf den Punkt: „Doom Eternal hatte einen Steam-Peak von 104k. Doom: The Dark Ages mit Game Pass-Start nur 31k. Man sieht deutlich, wie Game Pass Verkäufe und Reichweite verändert.“
Andererseits war Call of Duty: Black Ops 6 trotz Game Pass der meistverkaufte Titel des Jahres. Allerdings war der meiste Umsatz von PlayStation. Immerhin war Microsoft der größte Publisher im Dezember 2024, auf dem Mitbewerber-Ökosystem von Sony. Beachtlich, aber nicht verwunderlich: Immerhin setzte Sony in früheren Jahren viel Marketing-Geld ein, um Call of Duty-Spieler auf ihre Plattform zu lotzen. Microsoft verdient nun daran.

Call of Duty: Black Ops 6 verkauft sich auf PlayStation-Konsolen blendet. Xbox Game Pass-Besitzer haben es sowieso im Abo. – Bild: Activision
Der wirtschaftliche Druck wächst
Microsoft hat zuletzt stark umgebaut: Neue Game-Pass-Tiers, Preiserhöhungen, das Ende des 1-Euro-Trials. Zugleich bringt das Unternehmen mehr Titel auf die PlayStation. Ein Schritt, der noch vor einem Jahr undenkbar war. Allerdings ein Kurswechsel der auch gewinnbringend zu sein scheint, wenn man sich die Download-Charts und Verkäufe für Xbox-Titel auf der Sony-Konsole ansieht. Das kürzlich erschienene Forza Horizon 5 für die PS5 war ein voller Erfolg. Ein Spiel das 2021, also vor 4 Jahren, für Xbox und PC erschienen ist und noch immer ausreichend Staub aufwirbelte.
Dring schreibt selbst, dass die PlayStation-Veröffentlichungen Studios helfen, durch Premiumverkäufe bessere Margen zu erzielen. Ein stilles Eingeständnis, dass Game Pass nicht alle finanziellen Lücken schließen kann.
Ja, Game Pass ist profitabel, dass glaube ich auch, ohne die genaueren Zahlen zu kennen. Aber das bedeutet nicht, dass das System perfekt ist. Die Plattform liefert Nutzerkomfort, aber sie stellt auch den wirtschaftlichen Druck auf Studios auf ein neues Niveau. Xbox hat ein erfolgreiches Abo-Modell geschaffen. Doch Erfolg in Zahlen ist nicht gleich Erfolg für die Branche. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Game Pass ein zukunftsfähiges Ökosystem ist oder ein goldener Käfig für Entwickler. Zu vielen Menschen hat die Branche in den letzten Jahren ihren Arbeitsplatz gekostet. Gerade durch die Studio- und Publisher-Übernahmen von Microsoft in den letzten Jahren hätte man sich etwas anderes erhofft, als ständige Meldungen über Schließungen und Kündigungen. Jetzt sollte endlich wieder Ruhe einkehren.

