Wurde Splinter Cell zu XDefiant? – Ein Bericht sorgt für Verwirrung, aber Ex-Dev klärt auf!
Ein neues Splinter Cell von Ubisoft San Francisco? Das wäre ein Wunsch vieler Fans. Laut einem aktuellen Bloomberg-Report soll genau das 2017 intern angestoßen worden sein, nur um dann unter dem Druck der „Games-as-a-Service“ („GaaS“)-Strategie in einem ganz anderen Projekt zu enden: dem Arena-Shooter XDefiant.
Ehemalige Entwickler erzählen, wie sie begeistert an der Rückkehr von Sam Fisher arbeiten wollten und am Ende in einem Service-Shooter landeten, der 2024 erschien und schon 2025 wieder abgeschaltet wurde: XDefiant.
Ein geheimes „Splinter Cell“-Projekt in San Francisco
Der Bericht zeichnet ein Bild aus der Zeit um 2017: Ubisoft stellte mehrere Ex-Telltale-Entwickler in seinem Studio in San Francisco ein und setzte sie auf ein stilles, internes „Splinter Cell“-Projekt. Einer von ihnen, Nick Herman (heute Mitgründer von AdHoc und Creative Director von Dispatch), beschreibt, wie euphorisch das Team war, eine eingeschlafene Marke zurückzubringen. Natürlich mit starker Story und Fan-Fokus.
Doch parallel veränderte sich Ubisofts Geschäftsstrategie: Weg von klassischen Singleplayer-Spielen, hin zu Titeln, die über Jahre Geld einspielen sollen. Laut dem Bericht versuchten die Entwickler, ihr Stealth-Konzept in ein „narratives GaaS“-Modell zu pressen, inklusive Prototypen, die beides verbinden sollten. Trotzdem verlor das Projekt intern an Rückhalt.
Am Ende, so die Ex-Devs, sei die Idee mehrfach überarbeitet worden, bis der Kern von Splinter Cell praktisch verschwunden war und die Vorarbeit schließlich in die Grundlagen von XDefiant geflossen sei, einem Multiplayer-Arena-Shooter im Ubisoft-Universum.
Mark Rubin: „Es war KEIN Splinter Cell-Spiel“
Nach Veröffentlichung des Reports dauerte es nicht lange, bis sich Mark Rubin, Executive Producer von XDefiant, öffentlich zu Wort meldete. Auf X.com (vormals Twitter) widersprach er der Darstellung deutlich: Man habe nicht an einem „Splinter Cell“-Spiel gearbeitet und dann „auf XDefiant umgeschwenkt“.
Als er zum Studio kam, habe bereits ein anderes, sehr ambitioniertes Projekt existiert, aber es „fand den Spaß nicht“. Dieses habe er schließlich eingestellt und das Team pitchen lassen, was es wirklich machen wolle. Aus mehreren Ideen habe man sich für einen Arena-Shooter entschieden, weil sich dort schnell ein spaßiger Kern gezeigt habe. Von Splinter Cell sei dabei keine Rede gewesen.
Interessant: Rubin betont gleichzeitig, Ubisoft sei in seiner Erfahrung relativ offen gewesen, was die Ausrichtung der Studios angeht, wünscht sich aber, dass man externe Engines hätte nutzen dürfen, statt erneut auf hauseigene Technik zu setzen.
Egal, welche Version der Wahrheit näherkommt: Der Fall passt in ein größeres Bild. Mehrere Berichte der letzten Jahre zeigen, wie stark Ubisoft intern auf Service-Spiele, Langzeit-Monetarisierung und wettbewerbsorientierte Shooter gedrängt hat, oft zulasten klassischer Singleplayer-Marken. Gerade Fans von Serien wie Prince of Persia oder Splinter Cell werfen dem Publisher vor, lange etablierte Reihen vernachlässigt zu haben, während neue GaaS-Projekte ein hohes Risiko tragen. XDefiant ist inzwischen ein prominentes Beispiel dafür, wie schnell so ein Projekt scheitern kann.
Wie geht es mit Splinter Cell weiter?
Komplett tot ist die Marke zum Glück nicht: Parallel zu all dem arbeitet Ubisoft Toronto weiter an einem offiziellen Splinter Cell-Remake, das bereits 2021 angekündigt wurde und auf der Snowdrop-Engine basiert. Einen Releasetermin gibt es zwar nicht, doch Ubisoft hat mehrfach betont, dass das Projekt noch lebt. Trotz Führungswechseln und Funkstille nach außen.
Ob Sam Fisher jemals wieder zurückkehren wird, wie wir es uns vorstellen? Wir werden sehen. In den letzten Jahren war es verdächtig still rund um das Stealth-Abenteuer.


