Wohnungsbau in Deutschland: Rückgang der Fertigstellungen und steigende Genehmigungen

Rückgang der Fertigstellungen
Im Jahr 2022 verzeichnete Deutschland einen drastischen Rückgang der fertiggestellten Wohnungen, mit nur 206.600 Einheiten — der niedrigste Stand seit 2012. Dies entspricht einem Rückgang von 18 Prozent oder 45.400 Einheiten im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da in städtischen Ballungsräumen ein erheblicher Mangel an Wohnraum besteht, geschätzt wird, dass rund eine Million Wohnungen fehlen.
Anstieg der Baugenehmigungen
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass die Zahl der Baugenehmigungen im Jahr 2025 um 10,6 Prozent auf 238.100 Einheiten gestiegen ist. Trotz dieser positiven Entwicklung stagnierte der Bauüberhang, also die bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, bei 760.700 Einheiten. Davon befinden sich 307.200 Wohnungen bereits im Bau. Besorgniserregend ist jedoch, dass 35.700 Wohnungen aufgrund erloschener Genehmigungen aufgegeben werden mussten, der höchste Wert seit 2002.
Politische Initiativen und Herausforderungen
Die frühere Ampelregierung hatte ambitionierte Ziele gesetzt, 400.000 neue Wohnungen jährlich zu schaffen, diese Marke jedoch nie erreicht. Die Spitze wurde 2020 mit über 306.000 fertiggestellten Einheiten erreicht. Die gegenwärtige Bundesregierung verfolgt nun einen "Bau-Turbo", um durch schnellere Genehmigungen und reaktivierte Förderprogramme für energieeffizientes Bauen den Wohnungsbau anzukurbeln. Dennoch bleibt die Hoffnung auf eine Erholung durch geopolitische Spannungen, insbesondere den Iran-Krieg, getrübt.
Marktdynamik und Bauwirtschaft
Trotz eines Anstiegs der Baugenehmigungen um fast 15 Prozent im ersten Quartal 2025 haben steigende Materialkosten und Zinssätze für Immobilienkredite den Bau belastet. Die Bauaktivität bei Nichtwohngebäuden, wie Fabriken und Büros, ist ebenfalls im Jahr 2025 zurückgegangen, mit einem Rückgang des umgebauten Raums um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 170,9 Millionen Kubikmeter.
Auftragslage im Bauhauptgewerbe
Im Bauhauptgewerbe zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Im März 2025 war die Anzahl neuer Aufträge rückläufig. Der preisbereinigte Wert der Bestellungen sank um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat und um 7,7 Prozent im Jahresvergleich. Interessant ist jedoch, dass die nominalen Umsätze mit 9,2 Milliarden Euro um 5,3 Prozent höher lagen als im Vorjahr, was einen Anstieg von 2,5 Prozent preisbereinigt darstellt. Diese Diskrepanz zwischen Umsatzsteigerung und Auftragsrückgang könnte auf eine erhöhte Preisanpassung und Kostendruck in der Branche hinweisen.

