Wohnbauförderung neu gedacht: Zweigleisige Strategie für Bau und Bestand

Der Reformkurs im deutschen Wohnbauförderungssektor nimmt Gestalt an. In Zukunft sollen Eigenheimbesitzer von einem vereinfachten Fördersystem profitieren können, das die Vielschichtigkeit bisheriger Unterstützungsprogramme drastisch reduziert. Vorgesehen ist eine Konzentration auf nur zwei zentrale Förderprogramme: eines für Neubauten und ein weiteres für die Modernisierung von Bestandsimmobilien.
Diese Neuausrichtung des Förderungssystems soll durch eine Vereinfachung der Bürokratie und eine verstärkte Finanzierungszuverlässigkeit den stagnierenden Wohnungsbau nachhaltig beleben. In der Vergangenheit führten hohe Zinsen und steigenede Baukosten dazu, dass die von der vorherigen Ampel-Koalition vorgesehenen 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr bei Weitem verfehlt wurden – lediglich 251.900 Einheiten wurden 2024 fertiggestellt, ein Tiefststand seit 2015.
Trotz dieses herausfordernden Umfelds sieht die derzeitige Bundesregierung, angeführt von Kanzler Friedrich Merz, Anzeichen der Marktbelebung. Bau-Staatssekretär Sören Bartol äußert sich optimistisch und verweist auf positive Branchensignale: steigende Baugenehmigungen und optimistische Investitionspläne lassen hoffen.
Besonderer Interessensfokus liegt weiterhin auf dem Bereich des klimafreundlichen Neubaus – ein Programm, das bereits 36.747 Wohnungen mit Zusagen von rund 4,5 Milliarden Euro unterstützte. Im Gegensatz dazu bleibt das Programm "Jung kauft Alt", welches Familien beim Erwerb und der Sanierung von älteren Häusern in ländlichen Gegenden finanziell helfen soll, weitestgehend unbeliebt.
Strategisch wurde kürzlich der Fokus erneut auf das EH55-Effizienzhaus-Programm gelegt, um den "Bauüberhang" – nicht umgesetzte Bauprojekte aus der Schublade – zu vermindern. Die Wiederaufnahme dieser Förderung, inzwischen gekoppelt an die Nutzung 100% erneuerbarer Energien, unterstützte bisher den Bau von 13.988 Wohnungen mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden Euro.
Klar definiert ist bislang nur die zukünftige Struktur der Wohnbauförderung in zwei Säulen. Detaillierte Bedingungen bezüglich Förderhöhe und Klimaschutzauflagen bleiben noch abzuwarten.

