Wirtschaftsflaute in Deutschland: Christian Sewing fordert zum Handeln auf
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland schlägt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Alarm. Er fordert eine verstärkte Anstrengung sowohl seitens der Politik als auch von jedem einzelnen Arbeitnehmer. Laut Sewing droht Deutschland ohne tiefgehende Reformen, dass das Potenzialwachstum bis 2030 auf null sinkt. Dies könnte zu einer Phase der Stagnation führen, in der selbst geringe Rückschläge eine Rezession auslösen könnten. Sewing hebt die Bedeutung einer starken Wirtschaft hervor, die er als Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Stabilität ansieht. In Anbetracht der kommenden fünf Landtagswahlen im Jahr 2026 warnt er zudem vor den politischen Risiken, die mit einem Erstarken populistischer Kräfte einhergehen könnten. Diese könnten sowohl die demokratischen Institutionen als auch die auf Offenheit basierende Wirtschaft belasten.
Für eine gestärkte Wirtschaft sei es nötig, dass die Bevölkerung in Deutschland ihre Leistungsbereitschaft steigert, so Sewing. Gegenwärtig werde in Deutschland weniger gearbeitet als in vielen anderen Ländern, was eine stärkere Leistungsmentalität erforderlich mache. Dabei sei zwar die Work-Life-Balance wichtig, sie dürfe jedoch nicht als Vorwand für mangelnden Ehrgeiz genutzt werden. Sewing erkennt an, dass die Bundesregierung bereits erste Reformen in Angriff genommen hat und ein Wille zu weiteren Maßnahmen sichtbar ist.
Doch um einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung zu erzielen, seien mehr Tempo und vor allem mehr private Initiative notwendig. Ein gestärktes Europa durch die Vollendung des Binnenmarkts, der Abschluss weiterer Freihandelsabkommen und eine tiefgreifende Reformagenda für Deutschland hält er für unabdingbar. Diese solle unter anderem mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, eine Reform der Sozialsysteme, besonders der Rente, sowie schnelle Steuerentlastungen für Unternehmen umfassen.

