Wirtschaft unter Bedrohung: Der Verlust biologischer Vielfalt als systemisches Risiko

Der aktuelle Bewertungsbericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), der in Manchester vorgestellt wurde, offenbart eine alarmierende Botschaft: Der Verlust biologischer Vielfalt gehört zu den größten Bedrohungen für die globale Wirtschaft. Unternehmen sind in vielfacher Weise mit der Natur verwoben, sei es durch direkte Abhängigkeit oder indirekte Auswirkungen. Matt Jones, einer der Co-Vorsitzenden des Berichts aus Großbritannien, warnt unmissverständlich davor, dass die Wahl besteht zwischen dem Einsatz für nachhaltige Praktiken oder einem potenziellen Rückgang sowohl von Arten als auch der Unternehmen selbst. Dass ein verbesserter Umgang mit der Natur keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist, betont auch Ximena Rueda aus Kolumbien. Ein solcher Schritt sei unentbehrlich für Unternehmensgewinne und ihre langfristige Existenz.
Der Bericht fordert, dass Unternehmen Transparenz über ihre naturbezogenen Auswirkungen herstellen, eine Aufgabe, die bisher nur von weniger als einem Prozent der börsennotierten Unternehmen angegangen wird. Stephen Polasky, der dritte Co-Vorsitzende, spricht von einem Paradigmenwechsel weg von freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen hin zu einem wissenschaftlich gestützten Systemwandel. Frühzeitiges Handeln würde steigende Kosten, wie höhere Lebensmittelpreise und wirtschaftliche Instabilität, minimieren. Der IPBES-Bericht ist von Vertretern aus über 150 Mitgliedsregierungen angenommen worden und unterstreicht, dass die Natur eine oft unterschätzte Grundlage der Weltwirtschaft darstellt. "Kritikalität und drohende systemische Risiken" sind exakt die Bedingungen, die mit dem dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt einhergehen, was die wirtschaftliche Stabilität gefährdet.
Beunruhigende 7,3 Billionen US-Dollar fließen weiterhin in Aktivitäten, die den Schaden begünstigen, während lediglich 0,22 Billionen US-Dollar für die Erhaltung der Biodiversität bereitgestellt werden. Unternehmen tragen derzeit selten die finanziellen Folgen ihrer negativen Auswirkungen, eine Tatsache, die der Bericht scharf kritisiert. Die vorgestellten Maßnahmen, wie Effizienzsteigerungen und Abfallreduktion, sind umfassend, doch alleine werden Unternehmen den erforderlichen Wandel nicht stemmen können – es bedarf umfassenden Anpassungen in Politik, Recht und Gesellschaft. Qu Dongyu von der FAO und Khaled El-Enany von der Unesco betonen die unerlässliche Rolle der Biodiversität als Basis für Beschäftigung, Einkommen und grundlegende Versorgungsleistungen. Ein solcher Wandel im Denken sei unverzichtbar für eine gemeinsame Zukunft. Silke Düwel-Rieth vom WWF Deutschland zieht den Vergleich zur Klimakrise – weniger sichtbar, aber genauso gefährlich.

