Wirtschaft am Rande – Einblick in Pakistans Internetdilemma
Die derzeitigen Internetstörungen in Pakistan setzen der Wirtschaft des Landes erheblich zu und beunruhigen Investoren in einer Zeit, in der das Land auf den IT-Sektor setzt, um aus wiederkehrenden Wirtschaftskrisen und Rettungspaketen auszubrechen. Experten und führende Vertreter der IT-Branche schlagen Alarm angesichts der deutlichen Verlangsamung der Verbindungsqualität und Störungen von Anwendungen wie WhatsApp, das zum Meta-Konzern gehört und in Pakistan weit verbreitet ist.
Nadeem Elahi, Managing Director der Venture-Capital-Firma TRG, die den größten Outsourcing-Dienstleister des Landes betreibt, bezeichnete die aktuelle Internetverbindung als „die schlechteste in den letzten 12 Monaten“. Elahi betonte, dass für Pakistan als Ziel für globale Geschäftsprozesse eine zuverlässige Konnektivität unerlässlich sei und schätzte, dass die Qualität um 30 bis 40 Prozent nachgelassen habe.
Der Technologiesektor ist einer der wenigen Lichtblicke der pakistanischen Wirtschaft, und Islamabad setzt auf Softwareentwickler und IT-Freelancer, um dem Land aus der chronischen Devisenkrise zu helfen. Laut der Zentralbank Pakistans stiegen die IT-Exporte bis Ende Juni um 24 Prozent auf einen Rekordwert von 3,2 Milliarden Dollar.
Kalsoom Lakhani, Mitgründerin des auf Pakistan fokussierten Venture-Capital-Fonds i2i Ventures, bemerkte, dass die Internetverlangsamungen das „Marktbild schädigen“. „Wie kann man in Tech-Start-ups investieren, wenn digitaler Zugang so oft gedrosselt wird?“ fragte sie rhetorisch und beklagte, dass die Investitionen auf ein Minimum gesunken seien.
Seit Mitte August berichten Internetnutzer über langsame Geschwindigkeiten und Probleme beim Versenden von Fotos und Videos auf WhatsApp über mobile Netzwerke. Die Behörden blockieren bereits den Zugang zu Telegram und dem sozialen Netzwerk X aus Sicherheitsgründen. Digitale Rechteaktivisten vermuten, dass die Störungen auf den Einsatz von „Firewall“-Technologie zurückzuführen sind, die von einem ausländischen Unternehmen geliefert wurde.
Die Regierung von Premierminister Shehbaz Sharif wies die Verantwortung zurück und nannte verschiedene Ursachen wie ein defektes Seekabel, einen Cyberangriff und den übermäßigen Einsatz von VPNs zur Umgehung von Social-Media-Sperren. Shaza Fatima Khawaja, Informationsministerin, bestätigte jedoch, dass die Regierung an der Aufrüstung ihres Web-Management-Systems arbeite, um das Land vor Cyberangriffen zu schützen.
Muhammad Aurangzeb, der pakistanische Finanzminister, räumte ein, dass es „vorübergehende Probleme“ im Internetdienst geben könnte. Wirtschaftsexperten warnten jedoch, dass staatliche Bemühungen zur Internetfilterung Unternehmen in Pakistan rechtlichen Risiken aussetzen könnten.
Ali Ihsan, stellvertretender Vorsitzender der IT-Vereinigung P@sha, bezifferte den wirtschaftlichen Schaden durch die Internetstörungen in den letzten Wochen auf 300 Millionen Dollar. Diese Summe umfasst sowohl Reputationsverluste als auch entgangene Geschäfte.
Rechtsaktivisten und Oppositionspolitiker werfen der Regierung seit langem Online-Zensur vor, insbesondere bei Kritik am militärischen Einfluss in der Politik. Nighat Dad, Technologie- und Menschenrechtsaktivistin, wies darauf hin, dass das Verlangsamen des Internets laut UN-Resolutionen ein Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte darstellt.

