Wiener Börse unter Druck: Abwärtsbewegung beschleunigt sich
Die anhaltende Schwächephase des Wiener Aktienmarktes hat sich am Dienstag nochmals verschärft, nachdem bereits in den vergangenen Tagen eine deutliche Abwärtsbewegung eingesetzt hatte. Marktteilnehmer verweisen auf die allgemeine globale Risikoscheu im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Veröffentlichungen von Nvidia und der US-Arbeitsmarktdaten. Diese werden als entscheidende Einflussfaktoren für die zukünftigen Erwartungen im KI-Sektor sowie mögliche Zinssenkungen der US-Notenbank im Dezember angesehen.
Der führende ATX-Index verzeichnete einen Rückgang von 2,16 Prozent und landete bei 4.716,63 Punkten, während der ATX Prime um 2,05 Prozent auf 2.347,40 Punkte fiel. Nach den jüngsten Höhenflügen und dem bevorstehenden Rekordhoch schwinden nun die Novembergewinne zusehends. Auch technisches Untersuchen zeigt, dass der ATX die 21-Tage-Linie unterschritten hat und nun die 50-Tage-Linie ins Visier genommen wird.
Trotz dieser kurzfristigen Rückschläge bleibt der Ausblick auf den Wiener Aktienmarkt optimistisch. Eine Studie der Erste Group bezeichnete die Bewertung des ATX, sogar nach dem Jahreshoch, als weiterhin solide. Unterdessen sieht Morgan Stanley den österreichischen Aktienmarkt bis 2026 an der Spitze ihres europäischen Ländermodells. Positive Gewinnrevisionen, günstige Bewertungen und eine geringe Abhängigkeit von den USA tragen zu diesem positiven Bild bei, auch wenn Europa im Vergleich zu den USA hinterherhinken könnte.
Besonders betroffen von dieser Entwicklung waren Industrietitel und Bankaktien im ATX, die ihre bisherigen Jahresgewinne teilweise abgaben. So verzeichneten Bawag, Andritz und RBI Verluste von jeweils über zweieinhalb Prozent.
Unter den Versorgern zeigte sich ebenfalls Schwäche. Der Verbund beendete den Tag mit einem Rückgang von nahezu 2,5 Prozent, nicht zuletzt auch aufgrund der politischen Entwicklungen rund um das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz, das Preissenkungen bei Strom innerhalb von sechs Monaten an die Verbraucher weitergeben soll.
Gleichzeitig fielen die Aktien des Flughafens Wien im Vergleich zum Gesamtmarkt mit einem Rückgang von 0,8 Prozent weniger stark. Das Unternehmen überzeugte im dritten Quartal mit Umsatz- und Gewinnsteigerungen und bekräftigte seinen positiven Jahresausblick. Analysten loben die robusten Wachstumszahlen im Reise- und Luftfahrtsektor trotz globaler Herausforderungen.
Wienerberger musste einen Verlust von 2,4 Prozent hinnehmen, obwohl die UBS ihr Kursziel leicht anhob. UNIQA büßte ebenfalls 0,5 Prozent ein, allerdings bleibt der Trend laut Analysten positiv, was sich durch die anstehende Ergebnisveröffentlichung manifestieren könnte.

