Wettbörsen für Ereignisse – US-Firmen drängen in Grauzone zwischen Glücksspiel und Finanzmarkt
Robinhood setzt auf American Football, CME kooperiert mit Flutter-Tochter FanDuel – und alle eint ein Ziel: vom Boom der Prediction Markets zu profitieren. Nutzer können hier auf den Ausgang realer Ereignisse wetten, von Sportspielen bis hin zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Das Geschäftsmodell unterscheidet sich jedoch von klassischen Casinos, da die Betreiber nicht als Gegenpartei auftreten, sondern lediglich als Intermediäre, die Kommissionen erheben.
Kalshi, ein führender Anbieter, bezeichnet sein Modell als „stock exchange for events“. Im Gegensatz zum Glücksspiel, wo der Betreiber die Quoten vorgibt, handeln Nutzer auf Kalshi direkt gegeneinander. Dieser Unterschied ist entscheidend für die regulatorische Einordnung – und für die Expansion der Branche. Denn Glücksspiel fällt traditionell unter einzelstaatliche Zuständigkeit, wo mächtige Casinos politischen Einfluss besitzen. Wird das Segment hingegen als Finanzmarkt gewertet, könnte es unter die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) fallen, die sich seit Trumps Amtszeit liberaler zeigt.
Die juristischen Fronten sind entsprechend verhärtet. Kalshi hat proaktiv Klagen angestrengt, um sich in mehreren Bundesstaaten gegen eine Einstufung als Glücksspiel zu wehren. In Nevada und New Jersey errang das Unternehmen erste Erfolge, in Maryland hingegen eine Niederlage. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte der Versuch der damaligen Biden-CFTC, Wetten auf die Präsidentschaftswahl zu blockieren. Ein Gericht stoppte den Vorstoß, die Behörde zog nach Trumps Wahlsieg ihre Berufung zurück.
Die Dynamik zeigt Parallelen zu Krypto-Handel, Meme-Aktien und Online-Sportswetten. Gemeinsam ist allen Segmenten ein wachsender Hunger nach sofortiger Teilhabe an spekulativen Märkten, getrieben vor allem von einer jungen Generation. Während staatliche und bundesweite Aufseher um Zuständigkeiten ringen, geht es für die Plattformen darum, so schnell wie möglich Marktanteile zu sichern.


