Weckruf für die Verteidigungspolitik: Neuer Kurs gefordert
Der renommierte Kieler Ökonom Moritz Schularick plädiert für eine Neubewertung der deutschen Verteidigungspolitik und sieht dringenden Handlungsbedarf, um sich von der Abhängigkeit von Alttechnologien zu lösen. Trotz des Plans, bis Ende des Jahrzehnts beeindruckende 500 Milliarden Euro auszugeben, sei ein langfristiger strategischer Ansatz, der ökonomische und technologische Chancen integriert, bislang nicht erkennbar.
Schularick fordert, ähnlich wie China im Bereich der Elektroautos, eine technologische Evolution. Statt auf jahrzehntealte Technologien zu setzen, solle Deutschland in zukunftsweisende Verteidigungssysteme investieren und insbesondere unbemannte Systeme forcieren. Großbritannien mache es vor, indem es etwa ein Fünftel seiner Verteidigung auf solche modernen Lösungen setze.
Besonders kritisch sieht Schularick die Investition in bemannte Radpanzer vom Typ Boxer, während die Entwicklung autonomer Militärtechnologien ins Hintertreffen gerate. Für ihn ein klarer Strategiefehler, angesichts der Bedrohungen durch kostengünstige und effektive Drohnen.
Auch im Bereich Luftabwehr zeigt sich Schularick enttäuscht: Die Produktionskapazitäten für Systeme wie die Iris-T Flugabwehrrakete seien seit Beginn des Ukraine-Konflikts sträflich vernachlässigt worden. Hier ortet der Ökonom ungenutzte industrielle Potenziale und bemängelt das Fehlen strategischer Planung für Krisensituationen, in denen Produktionskapazitäten rasch angepasst werden müssten.

