Wechsel in den Haag: Der Internationale Strafgerichtshof setzt auf Software aus Bochum
Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat sich entschieden, künftig auf die Software eines deutschen Anbieters umzusteigen. Diese Zäsur folgt auf eine Episode, in der das E-Mail-Konto des Chefanklägers durch Microsoft gesperrt wurde, eine Reaktion auf US-Sanktionen unter Präsident Donald Trump. Um sich solchen Risiken zu entziehen, wird man auf das OpenDesk-Softwarepaket von ZenDIS aus Bochum setzen, berichtet das "Handelsblatt".
ZenDIS, ein staatlich gegründetes Unternehmen, spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Digitalpolitik. Es fokussiert sich auf digitale Souveränität und fördert Open-Source-Software im öffentlichen Sektor.
OpenDesk, das neue Softwarepaket des IStGH, bietet eine modulare Arbeitsplattform, die alle wichtigen Anwendungen für die Büroarbeit und Kollaboration umfasst. Der Wechsel kommt nicht überraschend. US-Präsident Trump hatte dem IStGH Sanktionen auferlegt, nachdem das Gericht Haftbefehle gegen israelische Vertreter erlassen hatte. Microsoft geriet ins Kreuzfeuer der Kritik und sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, als "Hilfssheriff" von US-Interessen zu agieren.
Auch wenn der Konzern betonte, dass das Vorgehen nur gegen eine Person und nicht gegen die Institution gerichtet war, war der Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung bereits entstanden. Osvaldo Zavala Giler, der in die IT-Geschicke des IStGH involviert ist, unterstrich die Notwendigkeit, Abhängigkeiten zu verringern und die technologische Unabhängigkeit zu stärken. ZenDIS, das 2022 gegründet wurde, hat nun die Aufgabe, diesen Wandel zu unterstützen und die internationale Institution digital souveräner zu machen.

