Weber mahnt: Europa muss eigenständiger werden und auf Zusammenarbeit setzen
Manfred Weber, der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, plädiert für eine stärkere europäische Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. In einem Interview mit 'Web.de News' betonte er die Notwendigkeit, die europäische Außenpolitik und Verteidigung selbstbewusster zu gestalten. Er kritisiert, dass europäische Entscheidungen zu häufig von Äußerungen aus Washington beeinflusst werden und fordert eine eigene, souveräne Linie der EU. Mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen stellt Weber heraus, dass sich die USA grundlegend verändert hätten und das 'alte Amerika' nicht zurückkehren werde. Er hebt die Wichtigkeit hervor, innerhalb der EU verstärkt zusammenzuarbeiten.
Als Beispiel nennt er die Fragmentierung in militärischen Bereichen. Während die USA einen einzigen Panzertyp einsetzen, existieren in der EU 17 verschiedene, was hohe Kosten verursacht. Er fordert Investitionen in einen europäischen Drohnen- und Raketenschutz, Cyber-Defense-Maßnahmen und unabhängige Satellitenüberwachung. Das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Außenpolitik betrachtet Weber als hinderlich. Er schlägt vor, dass einige EU-Staaten in der Außenpolitik mutig voranschreiten sollten, so wie dies bei der Schaffung des Schengenraums und der Einführung des Euro praktiziert wurde.
Eine engere Zusammenarbeit mit globalen Staaten, die an einer stabilen, regelbasierten Ordnung interessiert sind, sieht Weber als essenziell an. Besonders hebt er die Handelspolitik hervor: Neue Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien seien Vorbilder für solche Kooperationen. Dank des Euro und des Binnenmarkts könne Europa ein bedeutsames Zentrum wirtschaftlicher Stabilität und verlässlicher Partnerschaften werden.

