Washington dreht Südkoreas Chipriesen den Hahn zu
Die Aktienkurse von Samsung Electronics und SK Hynix gerieten am Montag unter Druck, nachdem Washington den südkoreanischen Speicherchip-Herstellern ihre Sondergenehmigungen entzog. Bislang durften beide Konzerne US-amerikanische Fertigungsanlagen ohne einzelne Exportlizenzen nach China liefern.
Der Schritt des US-Handelsministeriums beendet eine unter Präsident Joe Biden gewährte Ausnahme. Künftig müssen die Unternehmen für jede Lieferung von Equipment an ihre chinesischen Fabriken Lizenzen beantragen. Zulassungen sollen zwar erteilt werden, um bestehende Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten – eine Erweiterung oder technologische Aufrüstung der Werke in China soll jedoch verhindert werden.
An den Börsen reagierten die Kurse sofort: SK Hynix verlor knapp 5 Prozent, Samsung mehr als 2 Prozent. Analysten von Bernstein verweisen darauf, dass allein Samsungs Werk in Xi’an rund 30 Prozent seiner weltweiten Nand-Flash-Produktion stemmt. Bei SK Hynix entfallen 35 Prozent der Dram-Fertigung auf Wuxi, das Werk in Dalian, übernommen von Intel, liefert 37 Prozent der Nand-Chips.
Die Entscheidung trifft die Konzerne in einem Moment, in dem sie ihre Standorte in China modernisieren wollten. „Beide Unternehmen hatten gehofft, die US-Ausnahmegenehmigung bleibe bestehen“, sagte CW Chung von Nomura. Kurzfristig sei die Produktion zwar nicht gefährdet, doch die Perspektive, in China künftig nur noch ältere Chipgenerationen fertigen zu dürfen, verschärfe den Druck.
Der technologische Abstand zwischen den in China produzierten Legacy-Chips und den High-End-Speicherchips aus Südkorea dürfte sich dadurch weiter vergrößern, so Kim Yang-paeng vom Korea Institute for Industrial Economics and Trade. Gleichwohl sichere die starke Nachfrage nach älteren Speicherchips derzeit noch die Profitabilität.
US-Analyst Stacy Rasgon von Bernstein erwartet, dass Lizenzen zur Aufrechterhaltung bestehender Kapazitäten erteilt werden – ein abruptes Aus der chinesischen Werke könnte weltweite Engpässe und Preissprünge verursachen. Dennoch verdeutliche die Maßnahme, dass die geopolitischen Spannungen weiter zunehmen und die Substitutionsstrategie Pekings bei Chiptechnologien zusätzlich befeuern werden.
Parallel wächst der Druck durch lokale Wettbewerber: Chinas CXMT hat seinen Anteil am globalen Dram-Markt binnen drei Jahren von null auf 5 Prozent gesteigert und treibt den Ausbau aggressiv voran.


