Unterschiede in Ost und West

Was Zahlen über Ost und West verraten

02. September 2025, 11:26 Uhr · Quelle: dpa
Passanten in einer Fußgängerzone in Köln
Foto: Thomas Banneyer/dpa/dpa-tmn
In 35 Jahren hat sich die Bevölkerung in Deutschland unterschiedlich entwickelt. (Symbolbild)
35 Jahre nach der Wiedervereinigung offenbaren Zahlen noch immer Spaltungen zwischen Ost und West. Von Ehedauer bis Vermögensverteilung: Die Entwicklungen basieren auf aktuellen Daten.

Wiesbaden (dpa) - Am 3. Oktober feiert Deutschland 35 Jahre Wiedervereinigung. Ob Heiratsalter, vererbtes Vermögen oder Wohnraum: Trotz Annäherung in vielen Bereichen lassen sich immer noch teils große Unterschiede zwischen Ost und West feststellen, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Hier kommen Zahlen und Fakten zu ausgewählten Bereichen:

Ehe

Ehen halten länger als früher – dieser Befund mag auf den ersten Blick überraschen. Im Osten dauerte eine Ehe bis zur Scheidung zuletzt (Jahr 2024) im Schnitt 14,5 Jahre, das sind fünf Jahre mehr als 1991. In den westlichen Bundesländern beträgt der Anstieg der Ehedauer im selben Zeitraum etwa drei Jahre und liegt mit 14,7 Jahre auf einem ähnlichen Niveau mit dem Osten. 

Männer und Frauen im Osten sind inzwischen deutlich älter, wenn sie heiraten: Ein Mann im Osten beispielsweise gab 2024 im Schnitt im Alter von 38,6 Jahren erstmals das Ja-Wort, im Westen war ein Mann 34,7 Jahre alt. 1991 lag das Heiratsalter bei Männern noch bei 28,7 Jahren (West) und 26,6 Jahren (Ost). Ähnlich ist es bei den Frauen: Im Osten waren die Frauen bei der standesamtlichen Hochzeit im Schnitt 35,6 Jahre alt (plus 12 Jahre), im Westen 32,4 Jahre (plus sechs Jahre seit 1991).

Wohnen

Hohe Mieten, zu wenige Neubauten – die Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind vielerorts spürbar. Das war nicht immer so. In den 1990er Jahren herrschte ein regelrechter Bauboom in Deutschland und Aufbruchstimmung nach der Wiedervereinigung. Im Jahr 1994 etwa wurden alleine im Westen 500.000 Wohnungen gebaut. In den östlichen Ländern mit Berlin lag der Spitzenwert im Jahr 1997 bei 190.000 fertig gestellten Wohnungen – Zahlen, von denen Ost und West gemeinsam heutzutage weit entfernt sind. 2024 wurden knapp 252.000 Wohnungen fertiggestellt.

Gestiegen sind aber auch die Ansprüche an Wohnungen. Das lässt sich an der Quadratmeterzahl Wohnfläche ablesen, die eine Person rein rechnerisch zur Verfügung hat. Waren es Ende 1990 knapp 35 Quadratmeter, stieg diese Zahl bis Ende 2023 auf 47,5 Quadratmeter. Heißt im Klartext: Im Schnitt hat jeder gut ein Drittel mehr Wohnraum zur Verfügung als vor 30 Jahren.

Wer zur Miete lebt, lebt im Osten günstiger. Denn dort sind die Bestandsmieten deutlich günstiger. Zum Zensus-Stichtag 15. Mai 2022 war die Nettokaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche in Sachsen-Anhalt mit 5,38 Euro am niedrigsten, knapp vor Thüringen (5,65 Euro) und Sachsen (5,72 Euro). Bundesweit musste eine Miete von durchschnittlich 7,28 Euro bezahlt werden.

Vermögen und Erbe

Eine große Kluft zwischen Ost und West gibt es nach wie vor bei der Vermögensverteilung. Das liegt im Osten teils an der DDR-Vergangenheit, deren sozialistische Wirtschaftsform einen Vermögensaufbau oder Immobilienbesitz erschwerte oder verhinderte, anders als der Westen mit seiner Marktwirtschaft. Die Unterschiede sind in den vergangenen 35 Jahren zwar kleiner geworden, nach den Daten des Statistischen Bundesamts aber immer noch vorhanden. Denn nach wie vor gibt es auch Lohnunterschiede zwischen Ost und West, der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst lag im Jahr 2024 im Westen um rund ein Fünftel höher.

1993 hatte ein Haushalt in den östlichen Ländern im Schnitt ein Nettogesamtvermögen von 37.900 Euro, in den westlichen Ländern mit Berlin lag dieser Wert mit 124.600 Euro mehr als dreimal so hoch. Im Jahr 2018 hatten die westdeutschen Haushalte aber immer noch ein gut doppelt so hohes Vermögen als die Haushalte im Osten (88.000 Euro).

Dies lässt sich auch an den Erbschaften und Schenkungen ablesen, die den Finanzbehörden gemeldet werden und die über dem steuerlichen Freibetrag liegen. Wer weniger hat, kann auch weniger vererben. 2023 wurden in den westlichen Bundesländern pro Kopf gut 1.700 Euro vererbt oder verschenkt – mehr als dreimal so viel wie in den östlichen Bundesländern und Berlin mit gut 500 Euro.

Familie

Die Art und Weise des Zusammenlebens in Deutschland hat sich in Ost wie in West drastisch verändert. Das hat nicht unbedingt mit der Deutschen Einheit zu tun, sondern eher mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen. Die Familie, zu der die Statistiker auch Alleinerziehende oder nicht verheiratete Paare mit Kindern zählen, ist nicht mehr das Mehrheitsmodell. Lebten im Jahr 1991 noch 60 Prozent der Bevölkerung oder 47,1 Millionen Menschen in Deutschland in einer Familie, lag dieser Anteil im Jahr 2024 nur noch bei knapp der Hälfte (49 Prozent oder 40,6 Millionen Menschen).

Jeder Fünfte in Deutschland lebt inzwischen alleine – ob gewollt oder ungewollt. Und auch die Geburtenraten sinken seit vielen Jahren. Die Zahl der Kinder in Familien ist zwischen 1991 und 2024 von 22,4 Millionen auf 19,8 Millionen zurückgegangen. Frauen sind inzwischen etwa über 30 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. 1990 lag das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt noch bei knapp 27 Jahren, im Osten bei rund 25 Jahren. Mittlerweile sind die Unterschiede zwischen Ost und West aber nur noch gering.

Statistik / Gesellschaft / Deutschland
02.09.2025 · 11:26 Uhr
[0 Kommentare]
Nach Stromausfall im Südwesten Berlins
Berlin (dpa) - Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner kommt wegen seines Agierens im längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte unter Druck. Der CDU-Politiker räumte ein, am Samstag wenige Stunden nach Beginn des Blackouts im Berliner Südwesten Tennis gespielt zu haben - während sich 100.000 Betroffene ohne Strom und Heizung, Internet und Handy-Empfang mitten im Winter große Sorgen machten, vor Ort eilig […] (03)
vor 22 Minuten
Kernkraft aus dem Flugzeugträger: Ein neuer Ansatz gegen den Energieengpass der KI
Rechenzentren, die große KI-Modelle trainieren und betreiben, treiben den Strombedarf stark nach oben und verschärfen damit die Suche nach kontinuierlich verfügbarer Energie. Eine ungewöhnliche Idee aus den USA setzt dabei auf Technik, die ursprünglich für Flugzeugträger entwickelt wurde: Marine-Reaktoren sollen an Land verlegt und als Kraftwerksmodule für Rechenzentren genutzt werden. Dabei steht […] (00)
vor 3 Stunden
JLab präsentiert Neuheiten auf der CES 2026
JLab, ein führender Anbieter für persönliche Audiotechnologie, präsentiert seine neuesten Innovationen und Produkt-Updates auf der CES 2026 und unterstreicht damit erneut das Engagement für hochwertige, verbrauchsorientierte Audiolösungen. Im Fokus stehen die Markteinführung der JBuds Mini ANC, des neuen Go Work 3 Headsets sowie die neue Farbvariante „Cloud White“ für die beliebten JBuds Open- […] (00)
vor 2 Stunden
Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce für ein gelungenes PC Erlebnis von 007 First Light
IO Interactive, der preisgekrönte Entwickler und Publisher hinter der weltweit gefeierten  HITMAN -Reihe, und Amazon MGM Studios geben stolz eine Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce bekannt, um ein verbessertes PC-Erlebnis für  007 First Light  zu liefern, das am 27. Mai 2026 veröffentlicht wird.  007 First Light erscheint für PS5, Xbox Series X|S, Xbox ROG Ally X, Xbox ROG Ally, Nintendo […] (00)
vor 1 Stunde
Andy Friendly im Alter von 74 Jahren gestorben
Friendly, einer der prägenden Köpfe hinter dem US-Entertainmentjournalismus und langjähriger Medienmanager bei King World und CNBC, ist tot. Der frühere Fernsehmanager und Emmy-nominierte Produzent Andy Friendly ist am Sonntag, 4. Januar, im Alter von 74 Jahren in seinem Haus in Bel-Air gestorben. Dies bestätigte seine Familie. Friendly gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichen Persönlichkeiten des amerikanischen Fernsehens und war […] (00)
vor 1 Stunde
Marc-André ter Stegen
Dschidda (dpa) - Marc-André ter Stegen ist nach Angaben von FC Barcelonas Sportdirektor Deco nicht schwerer am Knie verletzt. Dem deutschen Fußball-Nationaltorwart gehe es gut, sagte Deco vor dem Halbfinale des spanischen Supercups in Dschidda dem Sender Movistar. Ter Stegen wird in Barcelona von dem Arzt untersucht, der ihn zuletzt auch am Knie operiert hatte.  «Er hatte ein ungutes Gefühl im […] (00)
vor 6 Minuten
Trump fordert Zugriff auf Venezuelas Öl – neue Drohungen gegen Kolumbien, Iran und Dänemark
Öl wichtiger als Wahlen: Trumps Kurs gegenüber Venezuela An Bord der „Air Force One“ machte Trump deutlich, worauf es ihm in Venezuela ankommt: nicht auf schnelle Wahlen, sondern auf Ressourcen. Die USA benötigten „vollen Zugang“ zu Öl und anderen Rohstoffen, um das Land wirtschaftlich „wieder aufzubauen“. Demokratische Prozesse hätten derzeit keine Priorität. Trump betonte, Venezuela sei […] (00)
vor 21 Minuten
Sichere Zugänge und Schutz auf dem Dach
Wangen im Allgäu, 07.01.2026 (PresseBox) - Auf der Dach+Holz International in Köln (24.-27. Februar, Halle 8, Stand 604) präsentiert HYMER-Steigtechnik Lösungen für sicheres Arbeiten in der Höhe. Der Schwerpunkt des Messeauftritts liegt auf Systemen für sichere Zugänge und Absturzsicherung: die modularen HYGHTS-Geländersysteme, Steigleitern für dauerhafte Zugänge sowie praxisorientierte Serienleitern für den handwerklichen Einsatz. Das Portfolio […] (00)
vor 3 Stunden
 
Dänemark Fahnen (Archiv)
Kopenhagen - Villy Sovndal, ehemaliger Außenminister Dänemarks und Mitglied der Grünenfraktion […] (00)
Felix Banaszak (Archiv)
Berlin - Grünen-Chef Felix Banaszak hat der Union vorgeworfen, von ihrem "Versagen" beim […] (01)
Südsee (Symbolbild)
Berlin (dpa) - Deutschland erkennt die kleine Südsee-Insel Niue als eigenen Staat an. Das Bundeskabinett […] (00)
Senatsmitglieder bei der Pressekonferenz am 07.01.2026
Berlin - Auch nach der Wiederherstellung der Stromversorgung im Südwesten Berlins befindet sich […] (00)
Ted Nugent
(BANG) - Ted Nugent hat Eminem und Jack White als "absolute Idioten" bezeichnet und behauptet, […] (00)
Franziska Preuß
Oberhof (dpa) - Wegen möglicher Wetter-Kapriolen wird das Wettkampfprogramm beim Biathlon- […] (00)
Abhörvorwürfe gegen den BND erschüttern transatlantisches Vertrauen
Während Berlin Washington öffentlich für das Abhören eines Kanzlerhandys rügte, hörte der […] (00)
TF1 zeigt Thriller «To Catch a Killer» zur Primetime
Der französische Sender TF1 setzt am Sonntagabend auf Hochspannung und zeigt einen düsteren Serienkiller- […] (01)
 
 
Suchbegriff