Kabinett

Was sehen die Pläne von Dobrindt zur Drohnenbekämpfung vor?

19. November 2025, 05:15 Uhr · Quelle: dpa
System zur Drohnenabwehr - HP 47+
Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Die Bundeswehr hat die technischen Möglichkeiten zur Drohnenabwehr. Im Inland darf sie allerdings in Friedenszeiten nicht so ohne weiteres tätig werden. (Archivfoto)
Der Entwurf eines Luftsicherheitsgesetzes erlaubt der Bundeswehr Amtshilfe bei Drohnen-Sichtungen. Experten debattieren über verfassungsrechtliche Grenzen und mögliche Risiken.

Berlin (dpa) - Fast täglich fallen den Sicherheitsbehörden Drohnen auf, die ohne Erlaubnis unterwegs sind. Das soll aufhören - auch weil die Bundesregierung davon ausgeht, dass zumindest ein Teil dieser unbemannten Luftfahrzeuge von staatlichen Akteuren zu Spionage- und Sabotagezwecken eingesetzt wird. Im Fokus steht hier insbesondere Russland. 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat jetzt einen Entwurf für ein Luftsicherheitsgesetz vorgelegt, der in solchen Fällen den Einsatz der Bundeswehr ermöglichen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten: 

Was ändert sich?

Wer als Privatbesitzer eine Drohne aus dem Baumarkt aufsteigen lässt, hat nichts zu befürchten. Vorausgesetzt er hat das Gerät registriert und hält sich an die bekannten Abstandsregeln - etwa im Umkreis von Flughäfen. 

Neue Befugnisse gibt es dagegen für den Einsatz von Gerät und Personal der Bundeswehr zur Abwehr von Gefahren durch unbemannte Luftfahrzeuge. Nach den Plänen aus dem Bundesinnenministerium sollen die Streitkräfte hierbei künftig Amtshilfe für die Länder leisten. Als Unterstützung kommen «Maßnahmen der ergänzenden Luftraumüberwachung» in Betracht sowie die Bereitstellung von Geräten zur Detektion und Abwehr von Drohnen bis hin zum Waffeneinsatz.

Was gilt für den Einsatz von Waffen? 

Der soll erlaubt sein, allerdings nur in bestimmten Ausnahmefällen. Die Bundeswehr soll - auch hier wieder nur zur Unterstützung der Länder - zur Drohnenabwehr auch Waffen oder andere Geräte einsetzen können, um die Drohne zu stoppen, etwa sogenannte Jammer. Das sind Geräte, die den Kontakt zwischen der Drohne und ihrer Fernsteuerung unterbrechen. 

Zu solchen Maßnahmen soll aber nur gegriffen werden, wenn es keine anderen Möglichkeiten zur Abwehr der Gefahr gibt und wenn nach den Umständen davon auszugehen ist, dass Menschenleben in Gefahr sind oder eine wichtige Anlage zerstört werden soll.

Darf die Bundeswehr im Inland überhaupt eingreifen? 

Tatsächlich sieht das Grundgesetz dies in Friedenszeiten nur in klar geregelten Ausnahmefällen vor - etwa als Amtshilfe bei Katastrophen, Pandemien oder zur Unterstützung der Polizei. Umfassendere Befugnisse für die Bundeswehr im Inland sind für den Verteidigungsfall vorgesehen. 

Der Grünen-Innenpolitiker, Konstantin von Notz, hatte zuletzt die Auffassung vertreten, ohne eine Verfassungsänderung wäre ein Einsatz der Bundeswehr zur Drohnenabwehr nicht möglich. Notz sagte: «Selbst wenn man den Spannungsfall erklären würde, damit die Bundeswehr übernimmt, bräuchte man dafür eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.» Dobrindt sieht das anders.

Wann beginnt der Spannungsfall? 

Auch dem Vorschlag des Unionsabgeordneten Roderich Kiesewetter (CDU) konnte der Bundesinnenminister nichts abgewinnen. Der hatte zwischenzeitlich vorgeschlagen, mit der Ausrufung des Spannungsfalls auf Russlands Luftraumverletzungen im Nato-Gebiet zu reagieren. Damit könnte die Bundeswehr Drohnen leichter bekämpfen, sagte er. Die Ausrufung des Spannungsfalls setzt eine konkrete Gefahr, aber noch keinen Angriff voraus. 

Unter Experten umstritten ist, welche Methoden hybrider Kriegsführung als Auslöser für den Spannungsfall gelten sollen. Am Ende ist das auch eine politische Entscheidung. Unter hybrider Kriegsführung wird eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln verstanden, mit der auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann - bis hin zur Destabilisierung ganzer Gesellschaften.

Wer entscheidet bei einer Drohnensichtung im Einzelfall?

Die Reform des Luftsicherheitsgesetzes sieht vor, dass die Bundeswehr Amtshilfe leistet. Da es in der Regel schnell gehen muss, um die Gefahr abzuwenden beziehungsweise herauszufinden, wer die Drohne steuert, soll dem Entwurf zufolge nicht der Verteidigungsminister gefragt werden müssen. Vielmehr soll die Unterstützung auf einer niedrigeren Hierarchiestufe angefordert werden.

Kann die Bundeswehr das leisten?

Grundsätzlich ja, allerdings hat der eigentliche Auftrag für die Truppe immer Vorrang. Im Entwurf heißt es wörtlich: «Die Bundeswehr kann nur Hilfe leisten, soweit sie nicht den eigenen Auftrag zur Landes- und Bündnisverteidigung gefährdet.» Gleichzeitig wird festgehalten, dass die Abwehr von Verletzungen der staatlichen Souveränität der Verteidigung diene und deshalb «eine originäre Aufgabe der Streitkräfte» sei. Damit lägen die völker- und verfassungsrechtlichen Rechtsgrundlagen zum Abschuss von in den deutschen Luftraum eindringenden Drohnen einer fremden Macht durch die Bundeswehr vor. 

Warum kommt die Reform jetzt?

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat die Zahl der Drohnensichtungen in Deutschland zugenommen. Außerdem plädiert man im Bundesinnenministerium schon länger für härtere Regeln gegen Aktivisten, die sich unerlaubt Zutritt zu Start- und Landebahnen von Flughäfen verschaffen. Das soll im Zuge der Reform des Luftsicherheitsgesetzes auch beschlossen werden.

Luftverkehr / Innere Sicherheit / Verteidigung / Deutschland / Russland / Fragen & Antworten
19.11.2025 · 05:15 Uhr
[0 Kommentare]
Lars Klingbeil (Archiv)
Berlin - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant eine neue Milliarden-Entlastung für Länder und Kommunen. Das geht aus einem Gesetzesentwurf des Finanzministeriums hervor, über den das Nachrichtenmagazin Politico berichtet. Die geplanten Entlastungen summieren sich auf rund vier Milliarden Euro bis einschließlich 2029. Pro Jahr geht es jeweils […] (00)
vor 7 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (01)
Gestern um 10:00
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 14 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 13 Stunden
«Estadio 2»: Teledeporte startet neues tägliches Sportmagazin
Der Spartensender baut sein Informationsangebot weiter aus und setzt auf eine Traditionsmarke. Der Sportkanal Teledeporte startet am 7. April ein neues tägliches Format: Estadio 2 läuft künftig jeden Tag um 14.00 Uhr und wird zusätzlich über RTVE Play verfügbar sein. Präsentiert wird das Magazin von Marc Martín aus den Studios in Sant Cugat. Mit dem Titel knüpft RTVE an eine bekannte Marke an: […] (00)
vor 1 Stunde
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Mit einem gewaltigen Energieschub reisen der FC Bayern München und seine jungen Matchwinner zum Königsklassen-Knaller bei Real Madrid. «Ich freue mich brutal darauf», sagte Doppeltorschütze Tom Bischof nach dem dramatischen Last-Minute-Sieg beim SC Freiburg (3: 2) in der Fußball-Bundesliga. Das sei das «perfekteste Spiel» als […] (02)
vor 5 Stunden
Alibaba-Aktie im Fokus: Wird das chinesische Technologie-Schwergewicht zum Comeback-Kandidaten?
Das chinesische Tech-Imperium unter Druck Alibaba steht als einer der weltgrößten E-Commerce- und Cloud-Computing-Konzerne vor einer kritischen Phase. Die Aktie des chinesischen Giganten hat in den vergangenen Monaten erhebliche Kursverluste erlitten, was Investoren verunsichert und Fragen zur langfristigen Rentabilität aufwirft. Die Gründe für diese […] (00)
vor 1 Stunde
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 3 Stunden
 
Dönerbude (Archiv)
Berlin - Obwohl Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sich selbst nur von […] (02)
Ostersonntag - Vatikan
Rom (dpa) - Auf dem Petersplatz hat die erste Ostermesse von Papst Leo XIV. begonnen. […] (01)
bird, redstart, nest, worm, nature, beak, feathers, avian, ornithology, frühling
Nacht zum Ostersonntag mit variabler Bewölkung In der Nacht zum Ostersonntag mischt […] (01)
Frau mit Smartphone (Archiv)
Berlin - Seit der Verordnungsfähigkeit von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) im […] (00)
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Die Youngster Tom Bischof und Lennart Karl haben dem FC Bayern […] (07)
Ghost of Yōtei: Legends startet seinen ersten Raid – Lord Saito wartet auf euch
Sucker Punch Productions hat mit Ghost of Yōtei: Legends einen Mehrspielermodus auf […] (00)
«Hollywood Demons» kehrt im April mit neuer Staffel zurück
Investigation Discovery setzt die True-Crime-Reihe fort und beleuchtet erneut die dunklen […] (00)
Duffy
(BANG) - Duffy soll Berichten zufolge einen Vertrag mit einem neuen Management […] (01)
 
 
Suchbegriff