Warum Transportunternehmen schon heute auf nachhaltige Technologien setzen sollten, bevor sich der Markt gefestigt hat.
In diesem Beitrag erläutert Oliver Bange, Geschäftsführer Central Region bei der TIP Group, weshalb ein früher Einstieg in nachhaltige Technologien wirtschaftlich sinnvoll ist.

14. Juli 2025, 10:28 Uhr · Quelle: Pressebox
Der Transportsektor steht vor einem großen Wandel. Oliver Bange von der TIP Group erklärt, warum Unternehmen jetzt auf nachhaltige Technologien setzen sollten.

Hamburg, 14.07.2025 (PresseBox) - In diesem Beitrag erläutert Oliver Bange, Geschäftsführer Central Region bei der TIP Group, weshalb ein früher Einstieg in nachhaltige Technologien wirtschaftlich sinnvoll ist. Als Leiter des Projektes „Energy Transition“ im Rahmen der TIP 2030-Strategie betont Bange: Das eigentliche Risiko besteht nicht im Test neuer Technologien, sondern im zu späten Handeln. Basierend auf den Erfahrungen der TIP Group in ganz Europa zeigt er auf, welche praktischen und strategischen Vorteile Unternehmen haben, die sich jetzt auf den Weg machen.

„Der Transport- und Logistiksektor steht an einem entscheidenden Wendepunkt“, sagt Oliver Bange. „Steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und verschärfte Emissionsvorgaben zwingen Unternehmen dazu, ihre Flotten neu zu denken. Viele zögern jedoch, weil unklar ist, welche grünen Technologien sich durchsetzen werden, aus Angst, eine Fehlentscheidung zu treffen. Doch zu warten, bis die beste Lösung feststeht, ist ein Fehler.“

Erfahrung als strategischer Vorteil

Bange beschreibt ein komplexes Marktumfeld: Förderprogramme werden kurzfristig angepasst, regulatorische Rahmenbedingungen sind nicht einheitlich in Europa, und die Technologien bei beispielweise Zugfahrzeugen - batterieelektrisch, wasserstoffbasiert oder gasbetrieben – befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Eine falsche Investition kann zum Stillstand der Flotte führen, zu finanziellen Verlusten oder regulatorischen Risiken. Doch ein Abwarten birgt ebenso große Gefahren.

„Es gibt derzeit keine eindeutige Gewinnertechnologie und das könnte auch so bleiben“, erklärt Bange. „Gas, Batterie, Wasserstoff – alle haben Potenzial. Entscheidend sind die Infrastruktur des Unternehmens, die gesetzlichen Vorgaben, die strategischen Ziele und der operative Kontext. Was für den urbanen Transport in den Niederlanden gut funktioniert, ist möglicherweise ungeeignet für Langstrecken in Osteuropa. Jede Region und jedes Unternehmen hat ihre eigenen Anforderungen.“

„Aus diesem Grund plädiere ich für Offenheit und praktische Tests verschiedener Lösungen. Es geht nicht darum, auf den einen Gewinner zu warten, sondern darum, herauszufinden, welche Technologie wo am besten passt und erste Erfahrungen zu sammeln. Es geht hierbei nicht nur um das Fahrzeug oder den Antrieb, sondern um das gesamte Ökosystem; Infrastruktur, gesetzliche Rahmenbedingungen, operative Prozesse und Menschen. Nur so erkennt man, was wirklich zum eigenen Unternehmen passt.“

Pioniergeist zahlt sich aus

Die Vorteile eines frühen Einstiegs liegen laut Bange auf der Hand:

„Unternehmen, die Innovation zulassen, sichern sich Wachstum. Sie gewinnen neue Kundenaufträge, steigern den Anteil nachhaltiger Technologien in ihrer Flotte und sogar die Fahrer:innen ziehen mit. Zunächst war die Sorge verbreitet, dass elektrische Fahrzeuge beim Fahrpersonal auf Ablehnung stoßen. Unsere Erfahrung zeigt das Gegenteil: Fahrer:innen sind stolz auf moderne Fahrzeuge und fühlen sich als Teil eines wichtigen Wandels.“

„Diese Unternehmen werden nicht nur effizienter – sie gestalten den Markt aktiv mit“, sagt Bange. „Wer neue Technologien erfolgreich einsetzt, gilt als glaubwürdig. Man erhält mehr Ausschreibungen, beeinflusst sogar deren Inhalte. Eigene Praxiserfahrung wird zur Referenz. Man hat getestet, man hat Daten und es funktioniert. Das verändert die gesamte Debatte zu diesem Thema. Wer Nachhaltigkeit nur als Pflicht versteht, verpasst Potenzial. Es geht darum, das Unternehmen zukunftssicher und wachstumsfähig im Wandel zu verankern.“

Nachhaltigkeit ganzheitlich denken

Während in der Diskussion über den Energiewandel oft der Antrieb im Mittelpunkt steht, betont Bange: Auch das, was das LKW zieht, ist entscheidend.

„Meist sprechen wir über neue Antriebstechnologien bei Trucks, aber die Trailer-Seite ist genauso wichtig, wenn wir die gesamte Nachhaltigkeitsbilanz betrachten wollen. Nachhaltigkeit bedeutet ebenfalls, vorhandene Transportmittel intelligenter zu nutzen. Das Refurbishment, die Wiederaufbereitung und Nutzungsdauerverlängerung von Aufliegern, ist ein großer Hebel. Die Branche war lange auf den Neukauf fokussiert, doch das ist nicht mehr zeitgemäß. Refurbishment spart CO₂ und Geld.“

Auch die Digitalisierung und die Nutzung von Daten spielen eine immer wichtigere Rolle. Mit Telematik und intelligenten Monitoring-Systemen lassen sich Auslastung, Verfügbarkeit und Wartungsanforderungen von Aufliegern und Zugmaschinen deutlich

besser steuern. Predictive Maintenance – vorbeugende Wartung - reduziert Ausfallzeiten und steigert die Effizienz der Flotte. Auch dies zählt zu einer gelebten Nachhaltigkeit. Neben grünen Technologie ist ebenso der intelligente Einsatz von Ressourcen wichtig.

Weniger Emissionen durch gesteigerte Auslastung

„Ein häufig unterschätztes Thema ist die Ladungsoptimierung“, so Bange. „Hier steckt enormes Potenzial: Wenn Truck und Trailer optimal beladen sind, lassen sich mit weniger Fahrten mehr Güter befördern. Das spart Kraftstoff und senkt Emissionen. Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen die Routenplanung und Beladung effizienter zu gestalten. Schon kleine Verbesserungen können große Wirkung entfalten. Wer Nachhaltigkeit ernst meint, muss auch hier ebenfalls ansetzen.“

Testen mit kalkuliertem Risiko

Für Unternehmen, die zwar interessiert, aber noch zurückhaltend sind, hat Bange einen klaren Rat:

„Wenn Sie 100 Zugmaschinen im Fuhrpark haben – warum nicht mit drei vollelektrischen Fahrzeugen starten? Das sind gerade einmal 3 % der Flotte. Ein Pilotprojekt ist ein risikoarmer Weg, erste operative Erfahrungen zu sammeln“, sagt Bange. „Niemand muss alles auf einmal umstellen. Im kleinen Maßstab ausprobieren. Lernen Sie, welche Strecken geeignet sind, wie das Laden in der Praxis funktioniert, wie die Fahrer: innen reagieren. All das lässt sich herausfinden, ohne die Existenz des Unternehmens zu gefährden.“

Die Pilotprojekte orientieren sich dabei am realen Betrieb der Kunden. Ein Kühllogistiker in den Niederlanden beginnt möglicherweise mit elektrischen Kühlaufliegern, um emissionsarme Zonen einzuhalten. Ein regionaler Spediteur in Deutschland nutzt E-Lkw, um Mautbefreiungen und Fördermittel zu nutzen. Die Möglichkeiten sind so individuell, wie die Unternehmen, die sie nutzen.

Risiken minimieren – mit starken Partnerschaften

„Was uns auszeichnet, ist unsere Herstellerneutralität“, sagt Bange. „Wir bieten verschiedene Konfigurationen an, wie etwa mehrere Varianten bei unseren elektrischen Kühlaufliegern. So kann jeder Kunde die Lösung wählen, die am besten zu ihm passt. Diese Flexibilität ist nach unserer Erfahrung entscheidend.

„Zudem unterstützen wir dabei, die Investitionsrisiken zu reduzieren. Mit unseren Mietlösungen nutzen unsere Kunden die neuen Fahrzeuge, ohne eigenes Kapital langfristig zu binden. Als Vermieter tragen wir das Anschaffungsrisiko und

vermeiden so, dass Unternehmen auf den Fahrzeugen sitzen bleiben, die eventuell später nicht mehr passen.“

„Viele unserer Kunden begleiten wir seit Jahren – teils seit Jahrzehnten. Diese gewachsene Vertrauensbasis schafft Raum für offene Gespräche: über Risiken, praktische Herausforderungen und darüber, was es in der Realität braucht, um neue Technologien erfolgreich einzuführen.“

Fazit: klein anfangen, aber jetzt starten

Für Bange ist klar: Wer jetzt beginnt, wenn auch im kleinen Umfang, verschafft sich langfristige Wettbewerbsvorteile.

„Es ist ein Prozess. In fünf Jahren könnten sich Geschäftsmodelle in der Transportbranche grundlegend verändert haben. Wer von Anfang an dabei war, ist auch vorbereitet.“

„Es wird keinen perfekten Zeitpunkt geben“, sagt Bange. „Die Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau, die Technologien entwickeln sich weiter, gesetzliche Vorgaben ändern sich laufend. Genau deshalb ist jetzt der Moment, um zu testen, zu lernen, sich anzupassen und zukünftig darauf aufzubauen. Je länger abgewartet wird, desto weniger vorbereitet ist man. Wer erfahren ist, kann schneller skalieren, flexibler reagieren und mehr Geschäft gewinnen. Auf den idealen Moment zu hoffen, lohnt sich nicht, denn er wird nicht kommen.

Fahrzeugbau / Automotive / nachhaltige Technologien / Transport und Logistik / Emissionsreduzierung
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