Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr: Fahrgäste müssen sich auf massive Einschränkungen einstellen
Nachdem erst vor wenigen Tagen der mehrtägige Lokführerstreik endete, steht nun der öffentliche Personennahverkehr erneut vor großen Problemen. Die Gewerkschaft Verdi hat für kommenden Freitag ganztägige Warnstreiks in fast allen Bundesländern angekündigt. Einzige Ausnahme ist Bayern, wo derzeit keine Verhandlungen stattfinden. In Berlin wird der Ausstand zudem auf den Morgen begrenzt sein. Die Fahrgäste müssen sich somit in vielen Regionen auf erhebliche Einschränkungen im Bus-, Straßen- und U-Bahnverkehr einstellen.
Die Ursache für die Warnstreiks sind parallele Tarifverhandlungen im öffentlichen Nahverkehr, die in nahezu allen Bundesländern stattfinden. Zwar sind mittlerweile die ersten Gesprächsrunden abgeschlossen, jedoch konnte bisher noch keine Einigung erzielt werden. Deshalb sieht Verdi nun die Notwendigkeit, mehr Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, wie die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Christine Behle betonte.
Vor allem der Berufsverkehr am Freitag wird von den Einschränkungen betroffen sein. Mehr als 130 kommunale Unternehmen in rund 80 Städten und etwa 40 Landkreisen sind von der Tarifrunde betroffen. Insgesamt sind rund 90.000 Beschäftigte von den Streiks betroffen.
Es gibt jedoch unterschiedliche Ziele und Forderungen der Gewerkschaften, je nachdem um welche Art von Tarifvertrag es in den jeweiligen Bundesländern geht. In Hamburg und bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) wird beispielsweise ein neuer Haustarifvertrag verhandelt. In 14 weiteren Bundesländern geht es hingegen um Manteltarifverträge, die vor allem die Arbeitsbedingungen regeln. Hier fordert Verdi kürzere Arbeitszeiten ohne finanzielle Einbußen, längere Ruhezeiten zwischen den Schichten sowie mehr Urlaubstage oder Urlaubsgeld.
Behle betonte, dass es vor allem um das Thema Entlastung gehe, da dies das wichtigste Thema für die Beschäftigten im Nahverkehr sei. Zudem solle durch verbesserte Arbeitsbedingungen dem erheblichen Personalmangel entgegengewirkt werden. Dabei hätten die Arbeitgeber in den vergangenen Jahren viel zu wenig getan.
Die Situation gestaltet sich in Brandenburg, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen komplizierter. Hier geht es neben den Arbeitsbedingungen auch um höhere Löhne. In Brandenburg strebt Verdi eine Erhöhung um 20 Prozent an, mindestens jedoch zusätzliche 650 Euro für die Beschäftigten im Nahverkehr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll ein Jahr betragen.
Der Warnstreik erhält zudem Unterstützung von der Umweltbewegung Fridays for Future (FFF). Die beiden Organisationen haben bereits in der Vergangenheit gemeinsame Aktionen zum Thema öffentlicher Nahverkehr durchgeführt. FFF setzt sich vor allem für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Investitionen ein, um den öffentlichen Verkehr als Alternative zum Auto attraktiver zu machen. "Wir befinden uns mitten in der Klimakrise", erklärte FFF-Sprecherin Darya Sotoodeh. "Was wir brauchen, ist mehr Bus und Bahn, und das geht nur mit besseren Arbeitsbedingungen und nur gemeinsam mit den Beschäftigten." FFF fordert von der Bundesregierung bis 2030 zusätzliche Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr in Höhe von 16 Milliarden Euro pro Jahr. (eulerpool-AFX)

