Vom Controller zum Regiestuhl: Hideo Kojima will die große Leinwand erobern
Hideo Kojima ist ein Name, der längst nicht mehr nur für Videospiele steht, sondern für cineastische Grenzerfahrungen, für erzählerische Labyrinthe und für einen unverwechselbaren, oft bizarr-genialen Stil. Während die Lorbeeren für sein jüngstes Meisterwerk „Death Stranding 2: On the Beach“ noch frisch sind, wirbelt der japanische Visionär bereits an seinen nächsten beiden Großprojekten: dem Horror-Experiment „OD“ in Kooperation mit Xbox und dem geistigen „Metal Gear“-Nachfolger „Physint“ für Sony. Doch was kommt, wenn diese Monumente vollendet sind? Ein lang gehegter Traum scheint sich zu manifestieren: Kojima liebäugelt ernsthaft damit, den Controller niederzulegen und sich vollends dem Kino zu widmen.
Ein Traum, der Gestalt annimmt
In einem aufsehenerregenden Interview mit dem französischen Medium „Brut“ gewährte der legendäre Entwickler einen seltenen Einblick in seine Zukunftspläne. Auf die Frage, was nach der Fertigstellung von „OD“ und „Physint“ anstehe, antwortete Kojima, dass er die Situation bei seinem Studio Kojima Productions neu bewerten werde. Und dann, so seine Worte, würde er „vielleicht an einem Film arbeiten“, wenn er dazu in der Lage sei. Das ist mehr als nur ein flüchtiges Gedankenspiel; es ist die konkreteste Andeutung, dass der Mann, dessen Spiele oft als interaktive Filme bezeichnet werden, den finalen Schritt auf die große Leinwand wagen könnte.
Eine Zwangspause für die Spielentwicklung
Sollte dieser Fall eintreten, müssten sich Gamer auf eine potenziell lange Kojima-Dürre einstellen. Die Entwicklung von „OD“ und „Physint“ wurde bereits durch den SAG-AFTRA-Streik vor Hürden gestellt, auch wenn die Arbeiten in diesem Jahr wieder aufgenommen werden sollen. Je nachdem, wie lange die Produktion dieser ohnehin schon ambitionierten Titel dauert und wie aufwendig ein anschließendes Filmprojekt wäre, könnten diese beiden Spiele – zusammen mit dem jüngst erschienenen „Death Stranding 2“ – für eine sehr lange Zeit die letzten interaktiven Werke aus seiner Feder sein. Es wäre ein monumentaler, wenn auch für viele Fans schmerzhafter, Schritt in der Karriere eines Mannes, der die Grenzen zwischen den Medien seit Jahrzehnten auslotet.
Das ungeschriebene Epos
Die Vorstellung eines reinen Kojima-Films elektrisiert und wirft unzählige Fragen auf. Würde er sich bekannte Schauspieler wie Norman Reedus oder Mads Mikkelsen erneut an Bord holen? Würde er eine völlig neue Geschichte erzählen oder eines seiner bestehenden Universen adaptieren? Seine Spiele sind bereits vollgepackt mit filmischen Techniken, komplexen Charakteren und einer visuellen Sprache, die ihresgleichen sucht. Das Entfernen des interaktiven Elements könnte seine erzählerische Vision in ihrer reinsten, ungefilterten Form freisetzen. Die Gaming-Welt würde einen ihrer größten Innovatoren verlieren, doch die Filmwelt könnte einen neuen, kühnen Visionär gewinnen. Die Weichen sind gestellt; jetzt muss die Zeit zeigen, ob der Meister den entscheidenden Schritt wagt.

