Vietnam beschleunigt Atompläne – Gespräche mit Russland sollen Reaktor bis 2031 sichern
Vietnam will mit Nachdruck in die Kernenergie zurückkehren und setzt dabei auf enge Zusammenarbeit mit Russland. Ziel ist, das erste Atomkraftwerk des Landes – Ninh Thuan 1 – spätestens Ende 2031 ans Netz zu bringen. Die Regierung hat laut einer offiziellen Mitteilung die zuständigen Behörden beauftragt, „dringend Verhandlungen“ mit Moskau aufzunehmen, um bereits im August ein Investitionsabkommen zu unterzeichnen.
Die Wiederaufnahme der Atompläne folgt auf einen Strategiewechsel der Regierung: Nach dem vorübergehenden Stopp im Jahr 2016 – ausgelöst durch hohe Baukosten und Sicherheitsbedenken – sieht Hanoi in der Kernenergie inzwischen eine notwendige Stütze zur Sicherung der Energieversorgung und zur Unterstützung des angestrebten Wirtschaftswachstums.
Ein entsprechender Entwicklungsplan wurde im Februar verabschiedet, kurz nachdem Russland und Vietnam ein unverbindliches Kooperationsabkommen im Nuklearbereich unterzeichnet hatten. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass Ninh Thuan 2 zwischen 2036 und 2040 folgen soll. Auch mit Japan sollen dafür Gespräche über eine Fortsetzung der bereits bestehenden Kooperation geführt werden.
Die Regierung warnt allerdings, dass die Gespräche mit internationalen Partnern „langsamer als erforderlich“ verlaufen. Damit sei das Ziel gefährdet, mit Bau und Investitionen noch vor dem 31. Dezember 2030 zu beginnen – eine Frist, die Premierminister Pham Minh Chinh selbst vorgegeben hat.
Der geopolitische Kontext verleiht den Gesprächen zusätzliches Gewicht. 2025 jährt sich die diplomatische Partnerschaft zwischen Russland und Vietnam zum 75. Mal. Das Land hat sich bisher neutral gegenüber dem Krieg in der Ukraine verhalten und Moskaus Rolle nicht verurteilt. Ob russische Technologie oder Ausrüstungen zum Einsatz kommen sollen, ließ die Regierung bisher offen.

