Vertauschte Babys: Fast zwei Millionen Euro Entschädigung

10. Februar 2015, 16:09 Uhr · Quelle: dpa

Grasse (dpa) - Gut zwei Jahrzehnte nach der Geburt ihrer im Krankenhaus vertauschten Babys bekommen zwei Familien in Frankreich eine Millionen-Entschädigung.

Ein Gericht in Grasse sprach den Betroffenen insgesamt fast zwei Millionen Euro zu, wie die Anwältin der verurteilten Klinik in Cannes, Sophie Chas, mitteilte. Das Gericht gab der Klinik die Schuld an der folgenreichen Verwechslung. Die Forderungen der Kläger an die Ärzte, die damals auf der Geburtsstation tätig waren, wies das Tribunal jedoch zurück.

Die Familien hatten mehr als zwölf Millionen Euro Schadenersatz verlangt. Die betroffenen jungen Frauen werden nach der Entscheidung je 400 000 Euro bekommen, der Rest verteilt sich auf die Eltern und Geschwister. Der Klägeranwalt Gilbert Collard zeigte sich im Radiosender France-Info sehr zufrieden mit dem Urteil des Gerichts, das einen schwierigen Fall zu entscheiden hatte.

«Endlich ist das beendet, nach einem langen Kampf von zehn Jahren kann man einen Schlussstrich unter diese Geschichte ziehen», sagte Manon, eine der vertauschten Töchter, dem Sender RMC: «Ich wollte, dass die Klinik als schuldig festgehalten wird.» Und eine der Mütter zeigte sich in einem Interview gleichermaßen erleichtert: «Ich bin jetzt von allem reingewaschen, ich habe keinen Grund mehr, mich für was auch immer schuldig zu fühlen.» Die beklagte Seite hatte von einer teilweisen Mitschuld der Mütter an dem Irrtum gesprochen.

Die neugeborenen Mädchen Manon und Mathilde waren im Sommer 1994 in der Klinik in Cannes vertauscht worden. Beide bekamen Tage nach ihrer Geburt Gelbsucht und wurden aus Platzgründen zusammen in ein Kinderbett gelegt und UV-bestrahlt. Später gab eine Angestellte auf der Geburtsstation die falschen Babys heraus, wobei die jungen Mütter Zweifel anmeldeten - denn ein Elternpaar war hellhäutig, das andere stammte von der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean.

Erst ein Gentest bestätigte die Verwechselung lange Zeit später. Als diese aufgeklärt war, klagten die aufgebrachten Eltern. «Wenn es uns da passiert ist, dann kann es auch anderen passieren», empörte sich Sophie Serrano, eine der Mütter. Sie hat Manon aufgezogen, während ihre biologische Tochter Mathilde 30 Kilometer entfernt aufwuchs. «Ich habe es am Ende geglaubt», erklärte Serrano, warum sie das Kind schließlich akzeptiert hatte. Auch die andere Frau fand sich ab.

Dem Ehemann von Sophie Serrano war es jedoch nach zehn Jahren zu bunt geworden: Er war Spott ausgesetzt, weil seine Tochter doch einen sehr anderen Teint hatte als er, der angebliche Vater. Also ließ er den DNA-Test machen. Ergebnis: Beide waren nicht die biologischen Eltern.

Nachforschungen enthüllten die Verwechslung, die zu einer umfassenden Gerichtsakte wurde, weil die Klinik freiwillig keine Entschädigung zahlen wollte. «Die Vertauschung geht auf eine Angestellte der Klinik zurück, die die Vorschriften nicht eingehalten hat, weil sie an einer schweren Depression litt und an chronischem Alkoholismus», argumentierte eine Anwältin der Klinik damals im Fernsehsender BFMTV.

Die jeweiligen Eltern haben sich und ihre biologischen Töchter dann getroffen, ohne dass dabei ein «Rücktausch» vereinbart wurde. Die jungen Frauen wollten auch nicht zu ihren eigentlichen Eltern zurück: Im Juli feiern sie 21. Geburtstag und schauen jetzt lieber nach vorn.

Justiz / Gesellschaft / Kinder / Frankreich
10.02.2015 · 16:09 Uhr
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