Verkehrsengpässe in NRW: Pendler stehen vor Herausforderungen
Bahnreisende in Nordrhein-Westfalen müssen sich aktuell auf erhebliche Verzögerungen und Umstellungen einstellen. Die laufenden Bauarbeiten führen zu umfassenden Schienenersatzverkehren (SEV), die oftmals deutlich mehr Zeit als die regulären Züge in Anspruch nehmen. Eine Analyse des Fahrgastverbandes Pro Bahn zeigt, dass der Ersatzverkehr häufig doppelt so lange oder länger benötigt, besonders auf wichtigen Verbindungsstrecken.
Aktuell betroffen ist die Strecke zwischen Aachen und Mönchengladbach, die aufgrund eines Stellwerksneubaus gesperrt ist. Ein Beispiel: Der RE 4 benötigt von Erkelenz nach Mönchengladbach 12 Minuten, während der SEV 32 Minuten und weitere Verzögerungen durch Berufsverkehrstau mit sich bringen kann. Für die stark frequentierte Strecke Köln–Wuppertal–Hagen, deren Generalsanierung am 6. Februar startet, sind ähnliche Einschränkungen geplant. Die Arbeiten werden sich über ein halbes Jahr ziehen und umfassen lange Ersatzverkehrsabschnitte.
Pendler auf der Strecke Wuppertal–Hagen, wo der Zug normalerweise 23 Minuten benötigt, müssen beim SEV mit 52 Minuten rechnen. Auch die Verbindung Wuppertal Hbf nach Düsseldorf Hbf ist betroffen: Hier beträgt die Fahrzeit mit Bussen 55 Minuten. Der notwendige Umstieg und längere Wege, etwa in Düsseldorf, kommen hinzu. Auch sind E-Roller und Fahrräder, die im Zug erlaubt sind, im Bus nicht gestattet.
Der Schienenersatzverkehr wird von Pro Bahn als Notlösung gesehen, die durch fehlende Ausweichstrecken begünstigt wird. Probol schlägt vor, alternative Routen wie die Reaktivierung der Ratinger Weststrecke und der Walsumbahn zu etablieren, um solche Engpässe zukünftig besser zu lösen. Finanzielle Engpässe und langsame Umsetzungen bremsen derzeit jedoch die Fortschritte im NRW-Zielnetz 2040.
Verkehrsexperten des ADAC warnen zudem vor einer höheren Belastung auf den Autobahnen A1, A46 und A3 während der Sanierungen. Die parallelen Arbeiten auf der A3 und A59 erhöhen das Staurisiko erheblich. Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen könnte helfen, diese Spitzenzeiten zu umgehen. Home-Office an stark staugefährdeten Tagen wie Mittwoch und Donnerstag wird empfohlen. An festgelegt arbeitenden Pendler wird geraten, möglichst früh zu starten.

