Varta vor radikaler Restrukturierung: Gläubiger im Widerstand
Der schwer angeschlagene Batteriekonzern Varta will durch eine drastische Restrukturierung sein Überleben sichern und plant, Alt-Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen. Gläubiger sollen auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten, was bereits zu erheblichem Widerstand führt. Varta kündigte an, das zuständige Amtsgericht Stuttgart kurzfristig über ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) zu informieren, um eine mögliche Insolvenz abzuwenden. Die Aktie verlor am Montag bis zu 80 Prozent an Wert.
Analyst Michael Punzet von der DZ Bank kommentierte, dass die neuesten Entwicklungen die Situation der Aktionäre weiter verschlechtern würden. Er senkte den fairen Wert der Aktien drastisch auf null Euro. Die finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens sind unter anderem auf den Einbruch des Geschäfts mit wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Knopfzellen zurückzuführen. Auch das Geschäft mit Wallboxen für Elektroautos brachte nicht den erhofften Erfolg.
Varta wurde 2017 für 17,50 Euro an die Börse gebracht und erreichte Anfang 2021 einen Höchstwert von 181,30 Euro. Seitdem erlebte der Aktienkurs eine kontinuierliche Talfahrt und lag am Montag zuletzt bei nur noch 3,65 Euro. Mehr als die Hälfte der Aktien sind im Besitz von Montana Tech Components, die von Aufsichtsratschef Michael Tojner kontrolliert werden.
Sonntagabend kündigte Varta Restrukturierungsvorschläge an, die eine Herabsetzung des Grundkapitals auf null Euro vorsehen, gefolgt von einer Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht für die Altaktionäre. Da die erforderliche Mehrheit der Aktionäre dies kaum zu genehmigen scheint, will Varta das StaRUG nutzen, was auch einen Schuldenschnitt ermöglicht. Ein solcher Schuldenschnitt bedingt jedoch, dass das Eigenkapital auf null herabgesetzt wird.
Zur Deckung des finanziellen Bedarfs im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich sind Verhandlungen mit Finanzgläubigern und Investoren, einschließlich Mehrheitseigner Michael Tojner und der Porsche AG, im Gange. Porsche hatte kürzlich Interesse am Geschäft für Elektroautobatterien bekundet.
Große Gläubiger wie Banken und Hedge-Fonds äußern Skepsis gegenüber dem Plan, da sie von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen würden. Sie fordern eine faire Beteiligung an der Rettung, um das StaRUG-Verfahren zum Erfolg zu führen. Bisher seien ihre Vorschläge nicht ausreichend berücksichtigt worden, obwohl Varta-Chef Michael Ostermann am Sonntag ihre Prüfung zusicherte. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf etwa eine halbe Milliarde Euro, woraufhin Gläubigervertreter eine stärkere Einbindung in die Rettungsschritte verlangen.

