USA drohen mit Seeblockade - Iran spricht von «Piraterie»
Washington/Teheran (dpa) - Mit seiner Ankündigung einer Blockade hat US-Präsident Donald Trump Reaktionen an den Börsen und Empörung im Iran ausgelöst. Die Ölpreise schnellten nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran und Trumps Blockade-Ankündigung weiter in die Höhe.
Neue US-Militärschläge gegen den Iran im Gespräch?
In der Nacht zum Montag zog der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni wieder über die Marke von 100 US-Dollar an. Dies belastete bereits die Börsen in Asien. Der deutsche Leitindex DAX startete mit einem Minus in die Woche.
Das US-Regionalkommando Centcom hatte auf der Plattform X angekündigt, ab 16.00 Uhr MESZ werde die Passage für Schiffe blockiert, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen. Nach Informationen des «Wall Street Journal» erwägen Trump und seine Berater daneben, auch begrenzte Militärschläge im Iran wieder aufzunehmen, um die festgefahrenen Gespräche wieder in Gang zu bringen.
Iran spricht von «Piraterie»
Irans Streitkräfte bezeichneten die geplante Seeblockade als «Akt der Piraterie». Einschränkungen für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern seien eine illegale Maßnahme, sagte ein Sprecher der iranischen Militärführung laut der Nachrichtenagentur Tasnim. «Die Sicherheit der Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman ist entweder für alle oder für niemanden», sagte der Sprecher weiter.
Trumps Ankündigung sei nichts als Bluff, schrieb der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, in der Nacht auf X. Dies würde als Militäroperation gewertet, «und wir würden darauf reagieren.» Die Revolutionsgarden warnten davor, dass sich Militärschiffe der Straße von Hormus nähern. Dies würde als «klarer Verstoß gegen die (seit Mittwoch) bestehende Waffenruhe betrachtet», hieß es Sonntagabend in einer Mitteilung.
Gibt es weitere Verhandlungen?
Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren am frühen Sonntagmorgen ohne Einigung zu Ende gegangen. Kanzler Friedrich Merz zeigte sich vom Abbruch der Gespräche nicht überrascht. «Ich hatte von Anfang an nicht den Eindruck, dass sie wirklich gut vorbereitet waren», sagte der CDU-Chef hinzu. Wen er mit dieser Kritik meinte, sagte er nicht.
In Pakistan, Schauplatz der Verhandlungen am Wochenende, mehrten sich zuletzt wieder Gerüchte über neue Gespräche zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten. «Die Diplomatie ist noch nicht tot,» sagte ein pakistanischer Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Wo und wann die Gespräche weitergehen könnten, sei jedoch noch unklar.
Bundesregierung setzt weiter auf Diplomatie
Die Bundesregierung betonte, man setze auch nach den vorerst gescheiterten Friedensverhandlungen im Iran-Krieg und der angedrohten Teilblockade der Straße von Hormus durch die USA weiterhin auf eine Verhandlungslösung. «Diese diplomatische Lösung ist der einzige Weg, diesen Konflikt jetzt zu beruhigen und zu einem Ende zu führen», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Die vermeintliche Blockade der Straße von Hormus beziehungsweise der iranischen Häfen durch die USA sei kein Ende des diplomatischen Prozesses, sagte Kornelius. Man interpretiere dies vielmehr als «Bewegung, den Druck zu erhöhen». Die Straße von Hormus diene offenbar nun als «eine Art Faustpfand» für beide Seiten - den Iran und die USA.
Was Trump erreichen will
Trump will mit der Blockade verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden.
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Teheran die Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch blockiert, was die Preise für Energie in die Höhe trieb. Der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen.
Weiter Kämpfe im Libanon und Angriffe auf Israel
Derweil gehen die Kämpfe im Libanon weiter. Israels Armee geht dort gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz vor. Der israelische Außenminister Gideon Saar bekräftigte, dass sein Land eine Waffenruhe im Libanon ablehne und seine Einsätze dort fortsetze. Seit Anfang März seien mehr als 7.000 Raketen, Geschosse und Drohnen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden. Der Beginn von Gesprächen zwischen beiden Ländern sei weiterhin für diesen Dienstag geplant.


