US-Zollschranken: Pharmaindustrie bleibt vorerst verschont, jedoch mit Vorbehalten
Das neue US-Zollpaket hat die Pharmabranche zunächst verschont: Medikamente sind von den geplanten pauschalen Zöllen auf EU-Importe ausgenommen. Doch VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen warnt, dass künftige Runden auch Pharmazeutika treffen könnten. Aktuell wurden jedoch die Vorprodukte wie sterile Schläuche, nötig für die Arzneimittelproduktion, mit in die Listung aufgenommen, was neue Herausforderungen für die deutschen Produzenten birgt.
Die USA bleiben für die deutsche Pharmaindustrie ein essenzieller Markt. Im Jahr 2024 führten Unternehmen laut dem Verband forschender Arzneimittelhersteller Waren im Wert von 27 Milliarden Euro dorthin aus. Dies entspricht fast einem Viertel der gesamten deutschen Pharmaexporte in die USA. Gleichzeitig importierte Deutschland pharmazeutische Produkte im Wert von 12,2 Milliarden Euro aus den USA und bezog zudem bedeutende Mengen an Vorprodukten, darunter chemische Grundstoffe.
Ein sich zuspitzender Handelskonflikt könnte gravierende Auswirkungen auf die bereits instabilen Lieferketten haben. Michelsen äußerte bereits Bedenken, dass eine Verteuerung oder Knappheit von Vorprodukten die Arzneimittelproduktion in Deutschland unter starken Druck setzen könnte. Dies hätte Konsequenzen für die Medikamentenversorgung und für die Arbeitsplätze in der Produktion.
Auch der Apothekenverband zeigt sich besorgt. Eine mögliche Erhöhung der Zölle könnte die Wirtschaftlichkeit der Produktion gefährden, meint Thomas Preis vom ABDA. Verstärkte Einschränkungen im Handel könnten die ohnehin schon angespannte Versorgungslage verschärfen, da seit Jahren regelmäßig etwa 500 Medikamente fehlen.

