US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China
Seltene Erden werden zur Schlüsselressource der Energiewende – die USA versuchen, mit neuen Allianzen ihre Versorgung zu sichern.

04. November 2025, 15:02 Uhr · Quelle: Pressebox
US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China
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US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China
Die USA verfolgen neue Abkommen in Asien, um die Abhängigkeit von chinesischen Metallen zu reduzieren. Dies könnte den globalen Rohstoffmarkt nachhaltig verändern.

Luzern, 04.11.2025 (PresseBox) -

US-Mineraldiplomatie: Washington sucht im Osten einen Ersatz für China

Strategische Metalle sind das neue Öl des 21. Jahrhunderts. Anders als Öl fließen seltene Metalle jedoch nicht durch Pipelines – sie werden abgebaut, verarbeitet und durch Exportverbote geschützt.
Heute entwickelt sich der Kampf um diese Metalle zu einer neuen Form globaler Machtpolitik.

Die Vereinigten Staaten sind derzeit bei rund 80 % ihrer strategischen Metalle auf ausländische Lieferanten angewiesen. Von den fünfzig Elementen, die offiziell als für die nationale Industrie und Verteidigung kritisch eingestuft sind, werden dreißig vollständig importiert. Für ein Land, das technologische Führungsansprüche erhebt, klingt das fast paradox. 1

Warum also fördert und verarbeitet eine Supermacht mit eigenen Vorkommen ihre Rohstoffe nicht selbst? Die Antwort ist einfach: Es ist teuer, umweltschädlich und politisch riskant.

Seit den 1990er-Jahren ist die gesamte Infrastruktur zur Verarbeitung seltener und strategischer Metalle in den USA verschwunden. Vor drei Jahrzehnten waren amerikanische Unternehmen noch an der Trennung von Seltenerd-Konzentraten und der Herstellung von Magneten beteiligt. Doch der Markt wurde bald von Exporten aus China überflutet – dem unangefochtenen Führer bei den Reserven und der Verarbeitung seltener Metalle. 2

China belieferte die Welt bereitwillig mit strategischen Metallen zu niedrigen Preisen, und die Vereinigten Staaten, zufrieden mit dieser Lage, schlossen ihre eigenen umweltbelastenden Produktionsstätten – sie lagerten die „schmutzige Arbeit“ an Peking aus. Dieses Gleichgewicht hielt viele Jahre, bis der Aufstieg der digitalen Ära und grüner Technologien eine sprunghaft steigende Nachfrage nach Halbleitern und anderen Hightech-Materialien auslöste. Vor diesem Hintergrund erklärte Präsident Donald Trump am 30. September 2020 per Dekret die Abhängigkeit der USA von kritischen Mineralien aus feindlich gesinnten Staaten zur Bedrohung der nationalen Sicherheit. 3

Ein starker Anstieg der Nachfrage nach Dysprosium seit 2020 wurde durch die wachsende Produktion von Permanentmagneten für Windturbinen und Elektromotoren ausgelöst (Quelle:https://ise-metal-quotes.com/price-logged-in.php).

Der Konflikt erreichte im September 2025 seinen Höhepunkt, als China den Export von Seltenerdelementen vollständig untersagte – mit der schlichten Begründung: „Wir brauchen sie selbst.“ 4

Die Reaktion folgte umgehend. Präsident Donald Trump begab sich auf eine diplomatische Reise durch Asien und den Pazifik, um neue Allianzen entlang der Lieferkette kritischer Rohstoffe zu schmieden – von rohstoffreichen Staaten wie Malaysia und Vietnam bis zu Industrienationen wie Japan und Australien.

Sein Ziel: die strategische Präsenz der USA in Südostasien durch eine neue Form der Zusammenarbeit zu stärken, die Analysten bereits als „Mineraldiplomatie“ bezeichnen.

Um die Abhängigkeit von durch Peking kontrollierten Lieferketten zu verringern, umwirbt Washington potenzielle Partner mit Investitionszusagen, gemeinsamen Projekten und gesicherten Lieferverträgen.

Die laufende Reise hat bereits zur Unterzeichnung mehrerer Rahmenabkommen über Handel und kritische Mineralien mit Kambodscha, Thailand, Malaysia, Vietnam und Japan geführt.

In Kuala Lumpur, während des ASEAN-Gipfels, unterzeichneten die USA und Malaysia ein Abkommen zur Entwicklung von Lieferketten für mineralische Rohstoffe und Seltenerdelemente. Ähnliche Dokumente wurden mit Kambodscha und Thailand abgeschlossen. 5

Doch die Euphorie währte nicht lange: Bereits einen Tag später dementierte Malaysias Handelsminister Berichte, wonach Quoten und Verbote für den Export unverarbeiteter seltener Metalle in die USA aufgehoben worden seien. Was genau in den Memoranden steht und wie sie Washington helfen sollen, die chinesischen Exportbeschränkungen zu umgehen, bleibt unklar. 6

Viele Analysten befürchten, dass eine derart harte „Mineraldiplomatie“, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von China bis 2030 auf 25 % zu senken, nach hinten losgehen könnte. Denn südostasiatische Länder, für die China weiterhin der wichtigste Handelspartner ist, könnten den amerikanischen Druck als Eingriff in das regionale Gleichgewicht empfinden – und sich, entgegen Washingtons Absichten, noch stärker an Peking annähern. 7

Japan nahm auf der Reise eine Sonderstellung ein. Premierministerin Sanae Takaichi, die gerade ihr Amt angetreten hatte, schlug Trump ein „neues goldenes Zeitalter der Beziehungen“ vor. Der erste Schritt dahin war ein strategisches Rahmenabkommen über kritische Mineralien und Seltenerdelemente. 8

Auf den ersten Blick erscheint ein Bündnis mit Japan ungewöhnlich: Das Land selbst ist zu 80–90 % von chinesischen Lieferungen seltener Erden abhängig. Doch gerade deshalb hat das Abkommen symbolische und strategische Bedeutung – es schafft eine Art „Mini-Allianz für seltene Metalle“. 9

Das Dokument sieht die Schaffung eines gemeinsamen Investitionsfonds im Wert von bis zu 5 Milliarden US-Dollar vor, der der Erkundung und Entwicklung von Seltenerd- und Lithiumvorkommen in Drittländern wie Australien, Vietnam und Malaysia dienen soll. 10

Beide Seiten einigten sich zudem auf den Aufbau neuer Anlagen zur Trennung und Reinigung von Seltenerdelementen in Japan und den Vereinigten Staaten. Das Abkommen sieht die Aufhebung von Exportbeschränkungen zwischen den Ländern sowie eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung (F&E) vor – insbesondere in der Verarbeitung schwerer Seltenerdelemente und der Herstellung magnetischer Legierungen für Hightech-Industrien.11 12

Ein gemeinsamer Investitionsplan und eine Lieferlandkarte sollen innerhalb von sechs Monaten verabschiedet werden. Die japanische JOGMEC (Japan Oil, Gas and Metals National Corporation) und die amerikanische Export-Import Bank wurden mit der Finanzierung der Projekte beauftragt, die den Bergbau in Australien, Malaysia und Vietnam unterstützen sollen. 13

Das Hauptziel besteht darin, die Abhängigkeit von chinesischen Konzentraten zu umgehen und alternative Logistikwege für die Versorgung mit kritischen Materialien aufzubauen.

Trumps Reihe von Abkommen löst das Problem zwar nicht sofort, schafft jedoch eine neue Architektur für den globalen Markt kritischer Mineralien. Wenn es den USA und ihren Partnern gelingt, alternative Lieferketten aufzubauen, könnte die Abhängigkeit von China tatsächlich verringert werden. Doch der Erfolg hängt davon ab, wie bereit Südostasien ist, amerikanische Führungsansprüche zu akzeptieren – ohne die eigenen wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking zu gefährden.

ISE AG - November 2025

Energie- / Umwelttechnik / Seltene Erden / Mineraldiplomatie / Strategische Metalle
[pressebox.de] · 04.11.2025 · 15:02 Uhr
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