Ungewisse Zeiten: Deutsche Unternehmen trotzen Sanktionen in Russland
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zeigt, dass deutsche Firmen trotz verschärfter Sanktionen Standhaftigkeit in Russland bewahren. Matthias Schepp, der Vorstandschef der Kammer, hebt hervor, dass lediglich vier Prozent der deutschen Unternehmen einen Rückzug vom russischen Markt in Erwägung ziehen.
Die meisten Firmen befürchten immense finanzielle Verluste bei einem Rückzug und planen daher, auch in schwierigen Zeiten fortzufahren. Noch immer sind etwa 2.000 deutsche Firmen im riesigen russischen Markt aktiv, mit deutschen Vermögenswerten, die auf über 100 Milliarden Euro geschätzt werden.
Schepp betont, dass diese Vermögen aufgrund russischer Gesetzeslage, die umfangreiche Kapitalabflüsse verhindert, weiter anwachsen. Diese Vermögenswerte sollten geschützt werden, um nicht in die Hände des russischen Staates oder einflussreicher Oligarchen zu gelangen.
Trotzdem ergeben die Umfrageergebnisse, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen eine negative wirtschaftliche Entwicklung für Russland im nächsten Jahr erwarten. Die Sorge um weitere Sanktionen wächst.
Laut Schepp sehen über 49 Prozent der deutschen Unternehmen die Sanktionen als schädlicher für die deutsche als für die russische Wirtschaft. Er kritisiert die westliche Politik für ihre Fehleinschätzungen in Bezug auf die Resilienz der russischen Wirtschaft und mahnt vor Wunschdenken.
Als positive Ausnahme in der trüben Wirtschaftslandschaft Russlands zeigt sich laut Umfrage ein erwartetes Wachstum in den Sektoren IT und Telekommunikation, Pharmazie und Gesundheitswesen sowie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Mittlerweile vertritt die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer 750 Mitglieder und ist der größte ausländische Wirtschaftsverband in Russland.

