Unbeweglichkeit auf dem Arbeitsmarkt: Deutsche Arbeitnehmer zögern bei Jobwechsel

Die jüngsten Ergebnisse einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Xing zeichnen ein überraschendes Bild der deutschen Arbeitswelt: Nur noch rund ein Drittel der Beschäftigten sind bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Dies ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren und deutet auf eine gestiegene Zurückhaltung hin, die insbesondere in der jüngeren Generation spürbar wird.
Die sogenannten „Generation Z“-Beschäftigten (Jahrgänge 1997 bis 2012) zeigen mit 44 Prozent noch die größte Wechselbereitschaft, doch selbst hier ist ein Rückgang gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen. Die Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) stehen mit 40 Prozent Offenheit dem nicht viel nach, während die Wechselwilligkeit der Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1980) nur bei 29 Prozent liegt. Bei den Baby-Boomern fällt diese sogar auf magere 17 Prozent ab.
Gründe für Wechselüberlegungen sind vielfältig: Mitglieder der Generation Z klagen insbesondere über zu niedriges Gehalt (55 Prozent), fehlende Aufstiegsmöglichkeiten (42 Prozent) und Unzufriedenheit mit ihren Aufgaben (39 Prozent). Überraschend ist auch der Wunsch nach Abwechslung, den 38 Prozent anführen. Ein hoher Stresslevel steht dagegen bei den Baby-Boomern als Hauptgrund im Vordergrund (35 Prozent), gemeinsam mit Gehaltsfragen und der Beziehung zur Führungskraft.
Interessant ist jedoch der weitgehende Konsens über die Erwartungen an neue Jobs: Sicherheit, Sinnhaftigkeit, gerechte Vergütung, flexibles Arbeiten und attraktive Standorte stehen bei allen Generationen hoch im Kurs. Jüngere Arbeitnehmer betonen zusätzlich die Bedeutung von Homeoffice-Angeboten. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte von Xing, äußerte sich zur aktuellen Situation: „Die angespannte Wirtschaftslage lässt viele Arbeitnehmer nach Sicherheit streben. Dennoch entscheiden sich viele angesichts der aktuellen Bedingungen für ein Bleiben bei ihrem als stabil empfundenen Arbeitgeber.“
Trotz der Unsicherheiten herrscht eine hohe Zufriedenheit am Arbeitsplatz: 84 Prozent der Befragten sind eher oder sehr zufrieden, während nur 16 Prozent ihren Job als unbefriedigend empfinden. Interessanterweise machen sich über Generationen hinweg lediglich acht Prozent Sorgen um eine mögliche Kündigung, was auf ein weit verbreitetes Vertrauen in die eigene Arbeitsplatzsicherheit schließen lässt.

