Ukrainische Drohnenindustrie unter Druck – Innovationsvorsprung schrumpft, Lieferengpässe aus China belasten Produktion
TAF Drones, einer der größten Drohnenhersteller der Ukraine, lieferte 2023 rund 350.000 Einheiten – etwa ein Sechstel der landesweiten Gesamtproduktion. Für das erste Halbjahr 2024 liegt bereits ein Regierungsauftrag über denselben Umfang vor. Dennoch ist Firmenchef Oleksandr Yakovenko besorgt: „Vor zwei Jahren waren wir den Russen zwei Schritte voraus – jetzt nur noch einen.“
Der 35-jährige Unternehmer, früher Logistikmanager, hat in weniger als drei Jahren einen Betrieb aufgebaut, der heute im Zentrum der ukrainischen Hochtechnologie-Offensive steht. Während der Krieg sich von konventioneller Artillerie hin zu präziser Drohnenkriegsführung verschoben hat, dominieren unbemannte Systeme mittlerweile eine 10 bis 15 Kilometer breite Zone entlang der Frontlinie. Doch Moskau kontert schnell: „Was wir entwickeln, kopieren sie binnen Wochen.“
Besonders erfolgreich war zuletzt der Einsatz von faseroptischen Drohnen durch russische Einheiten. Diese entziehen sich elektronischer Störung, da sie über ein dünnes Kabel kommunizieren, statt über Funk. Noch ist ihre Reichweite begrenzt, doch Yakovenko rechnet mit einer verstärkten Nutzung im Sommer – gefertigt in Shanghai, wo keine arktischen Temperaturen herrschen.
Ein gravierendes Problem stellt die Materialbeschaffung dar. Thermalkameras, Batteriezellen, Karbonrahmen – zentrale Komponenten stammen bislang aus China. In den vergangenen 18 Monaten hat TAF Drones nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Dollar für chinesische Bauteile ausgegeben, oft über Drittanbieter, um Exportkontrollen zu umgehen. Seit dem chinesischen Exportverbot für Sensoren und Schlüsseltechnologien im Herbst 2023 jedoch stauen sich die Aufträge. „Wir müssen Bestellungen bereits um einen Monat verschieben“, so Yakovenko.
Europäische Lieferanten könnten die Lücke kaum füllen – zu teuer, zu langsam. Gleichzeitig interessieren sich westliche Regierungen zunehmend für das ukrainische Know-how. Yakovenko rechnet damit, dass Präsident Selenskyj noch 2024 den Export ukrainischer Drohnen nach Europa freigibt. Doch viele Staaten setzen lieber auf ihre eigene Industrie. „Viele nutzen unseren Krieg, um zu lernen. Das ist in Ordnung – sie helfen uns auch.“
Technologisch schreitet die Entwicklung unaufhaltsam voran. Kamikaze-Drohnen, die 2023 noch 5 Kilometer Reichweite und 1 Kilogramm Nutzlast hatten, schaffen heute 40 Kilometer mit 3 Kilogramm. Für 2025 erwartet Yakovenko das „Jahr der Roboter auf Rädern“ – unbemannte Bodenfahrzeuge zur Evakuierung und Versorgung der Front.
Doch trotz ukrainischer Innovationskraft hat Russland bei Effizienz und Serienfertigung aufgeholt. Yakovenko warnt: „Wenn Moskau in diesem Tempo weitermacht, wird es für uns in zwei Jahren unmöglich, die Verteidigung aufrechtzuerhalten.“

