Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 – MediaForEurope plant kontrollierte Expansion
Der italienische Großaktionär MediaForEurope (MFE), der zum Medienimperium von Berlusconi gehört, hat ein Übernahmeangebot für den deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 ausgearbeitet. Als gesetzlicher Mindestpreis gelten laut BaFin 5,74 Euro pro Aktie, doch MFE offeriert 4,47 Euro in bar und ergänzt dies durch die Ausgabe von 0,4 neuen A-Aktien. Eine solche Strukturierung ist nicht unüblich, da bei Übernahmen in der Regel ein gewisser Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs angeboten wird. Jedoch erlebte die Aktie von ProSiebenSat.1 in den letzten Monaten einen erheblichen Kursanstieg aufgrund von Gerüchten über eine potenzielle Übernahme durch MFE.
Obwohl Analyst Daniel Kerven von der US-Bank JPMorgan skeptisch ist, dass das Angebot auf weitreichende Akzeptanz stoßen wird, hält er es für wahrscheinlich, dass MFE die kritische Schwelle von 30 Prozent überschreiten könnte. Er vermutet, dass MFE eine 'schleichende Kontrollübernahme' anstrebt.
Bereits im März hatte MFE eine Vereinbarung mit einem bestehenden Großaktionär von ProSiebenSat.1 angekündigt, welche gewährleisten soll, dass der italienische Medienkonzern nach Abschluss des Angebots mehr als 30 Prozent des Unternehmenskapitals kontrolliert. Der Schritt ist bedeutsam, denn mit der Überschreitung dieser Schwelle würde MFE automatisch dazu verpflichtet werden, ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten.

