Turbulente Zeiten für Immobilien: US-Anleihe-Renditen belasten europäische Märkte
An den Märkten zieht ein unruhiger Wind auf, der die zinssensiblen Immobilienwerte aktuell unter Druck setzt. Der Grund: Ansteigende Renditen auf den US-Anleihemärkten, die Investoren weltweit beunruhigen. Dies bringt gerade kapitalintensive Branchen wie die Immobilienwirtschaft ins Wanken. Der Stoxx Europe 600 Real Estate Index verzeichnete einen Rückgang um 1,1 Prozent.
Der Marktbeobachter Andreas Lipkow fasst die Situation pointiert zusammen: "Höhere Anleiherenditen machen Investitionen in Aktien unattraktiver." In Deutschland bekamen dies insbesondere Immobilienwerte zu spüren. Vonovia etwa rutschte im DAX mit einem Verlust von 1,5 Prozent ans Ende der Liste. Im MDAX traf es TAG Immobilien, LEG Immobilien und Deutsche Wohnen mit Verlusten zwischen 1,6 und 2,1 Prozent. Auch Aroundtown und Grand City Properties verloren, wenngleich moderater mit Rückgängen von bis zu 0,8 Prozent.
Einen genaueren Blick lohnt der US-Anleihemarkt, wo ein frisch verabschiedetes Gesetzespaket Steuersenkungen und damit ein Anziehen der ohnehin hohen Verschuldung vorantreibt. Nach Einschätzung der UBS könnte dies die Staatsverschuldung um mehrere Billionen erhöhen – und die Märkte nervöser machen. Zudem hat die Ratingagentur Moody's den USA die Bestnote entzogen, was Anleger zusätzlich verunsichert.
Langlaufende US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit sahen die fünf Prozent Renditemarke erstmals seit November 2023 überschritten. Doch trotz des attraktiven Renditeniveaus bleibt das Kaufinteresse, insbesondere bei ausländischen Investoren, verhalten. Eine kürzliche Auktion 20-jähriger Anleihen verlief nicht störungsfrei und zeigt, dass die Rolle der US-Anleihen als vermeintlich sicherer Hafen derzeit bröckelt.

