Investmentweek

Trumps Attacke auf Selenskyj – Drohkulisse oder geopolitisches Kalkül?

21. Februar 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Warum der US-Präsident die Ukraine unter Druck setzt – und welche Optionen Kiew bleiben.

Donald Trump setzt Wolodymyr Selenskyj massiv unter Druck: Ein milliardenschwerer Rohstoffdeal, gepaart mit Drohungen, Waffenlieferungen einzustellen, soll die Ukraine zu wirtschaftlichen Zugeständnissen zwingen. Doch das Kalkül des US-Präsidenten könnte riskanter sein, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein Knebelvertrag für Kiew?

Vergangene Woche reiste US-Finanzminister Scott Bessent nach Kiew – im Gepäck ein brisanter Vertragsentwurf: Die USA fordern einen 50-prozentigen Anteil an den Einnahmen aus dem Abbau Seltener Erden in der Ukraine sowie ein Vetorecht bei der Lizenzvergabe.

Die Gegenleistung: US-Sicherheitsgarantien im Falle eines Friedensabkommens mit Moskau.

Washington ging offenbar davon aus, dass Selenskyj kaum eine andere Wahl haben würde, als zu unterschreiben. Doch der ukrainische Präsident lehnte ab. Zu groß sei die Gefahr, dass das Land de facto wirtschaftlich entmündigt wird. Stattdessen sprach sein Umfeld von einem „kolonialen Abkommen“, das nationale Ressourcen verscherbeln würde.

Die Reaktion aus den USA folgte prompt: Trump persönlich bezeichnete Selenskyj als „Diktator“, unterstellte ihm, den Krieg mit Russland begonnen zu haben, und bezifferte die US-Hilfen an die Ukraine auf 350 Milliarden Dollar – eine grobe Übertreibung, denn die tatsächlichen Beträge liegen bei etwa der Hälfte.

Doch Trumps Vorgehen hat System: Der ehemalige und womöglich zukünftige Präsident sieht Außenpolitik in erster Linie als Geschäft. Er will, dass sich die Ukraine die US-Unterstützung „erkauft“ – und stellt Selenskyj vor eine Zerreißprobe.

Während Trump und Lawrow über die Zukunft des Krieges verhandeln, bleibt Kiew außen vor. Experten warnen: Die Ukraine droht zum Spielball US-amerikanischer und russischer Interessen zu werden.

Warum Trump den Frieden mit Russland verhandeln will

Noch besorgniserregender als die wirtschaftliche Erpressung Kiews ist jedoch ein anderer Punkt: Die Ukraine wurde von den Friedensgesprächen zwischen den USA und Russland ausgeschlossen.

Diese fanden vergangene Woche in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad statt, wo US-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow erste Eckpunkte eines Drei-Phasen-Plans festlegten:

  1. Waffenstillstand
  2. Präsidentschaftswahlen in der Ukraine
  3. Langfristiges Friedensabkommen mit Sicherheitsgarantien

Dass Trump Moskau nun als gleichwertigen Verhandlungspartner anerkennt, ist eine drastische Kehrtwende in der bisherigen US-Politik. Für Russland bedeutet dies die Rückkehr auf die weltpolitische Bühne, für Kiew hingegen einen gefährlichen Kontrollverlust über das eigene Schicksal.

Lesen Sie auch:

Politische Verschiebungen: Jugendliche setzen neue Prioritäten in der U18-Wahl
Die jüngsten U18-Wahlergebnisse zeigen signifikante Veränderungen: FDP stürzt ab, Linke und AfD gewinnen – Einblicke in die politischen Präferenzen der Jugend.

Denn der US-Präsident macht keinen Hehl daraus, dass er Selenskyj zum Einlenken zwingen will. Sein Statement auf seinem Anwesen Mar-a-Lago war an Deutlichkeit kaum zu überbieten:

„Ihr seid seit drei Jahren dabei. Ihr hättet nie damit anfangen sollen. Ihr hättet einen Deal machen können.“

Trump deutet damit an, dass die Ukraine für den Krieg selbst verantwortlich sei – und dass sie sich Russland besser früher als später beugen sollte.

Kann sich Kiew auf Europa verlassen?

In Europa hat Trumps Vorgehen einen Schock ausgelöst. Innerhalb weniger Tage rief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits zwei Notfalltreffen der EU-Staaten ein. Dabei geht es um zwei zentrale Fragen:

  1. Wie kann Europa eine eigenständige Sicherheitsarchitektur für die Ukraine aufbauen?
  2. Wie schnell kann die EU eigenständig militärische Unterstützung bereitstellen?

Bisher hat sich Europa weitgehend auf die USA verlassen. Doch das ändert sich nun rasant. Die EU arbeitet derzeit an einem neuen Waffenpaket im Wert von sechs bis zehn Milliarden Euro – eines der größten in der Geschichte der Union. Zudem gibt es Pläne für eine Art „Sicherheitsfonds“, der langfristige Militärhilfen garantieren soll.

Doch reicht das aus?

Der ukrainische Analyst Andrew Perpetua sieht die Lage entspannt. Seiner Meinung nach hat Kiew genügend Ressourcen, um das Jahr 2025 weitgehend ohne US-Hilfen zu überstehen. Der Militärexperte Thomas Theiner ist skeptischer: Sollte Trump sämtliche Lieferungen stoppen und die Sanktionen gegen Russland lockern, hätte die Ukraine maximal noch zwölf bis 18 Monate Durchhaltevermögen.

Allerdings ist es für Trump gar nicht so einfach, die Russland-Sanktionen im Alleingang aufzuheben. Alexandra Prokopenko vom Carnegie Russia Eurasia Center betont:

„Trump kann sie nicht im Alleingang beenden.“

Zudem bleibt fraglich, ob der US-Kongress – selbst unter republikanischer Mehrheit – eine komplette Abkehr von der Ukraine-Politik durchwinken würde.

Wird die Ukraine zum Spielball geopolitischer Interessen?

Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Während Trump Kiew unter Druck setzt, wächst in Europa die Einsicht, dass man sich nicht länger auf Washington verlassen kann. Sollte Selenskyj standhaft bleiben und sich die EU tatsächlich neu aufstellen, könnte das Trumps Plan ins Wanken bringen.

Doch falls sich Europa spaltet oder die Ukraine wirtschaftlich und militärisch zu stark geschwächt wird, könnte Trump am Ende doch die Bedingungen diktieren – und damit Russland die Tür zu einem Friedensabkommen öffnen, das vor allem Moskau nutzt.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 21.02.2025 · 20:00 Uhr
[1 Kommentar]
AMD statt NVIDIA: Warum Analysten 2026 umdenken
NVIDIA gilt als Maßstab im KI-Sektor. Doch ausgerechnet der kleinere Rivale rückt bei Analysten wieder in den Fokus. TD Cowen erklärt AMD zur bevorzugten Aktie für 2026 – vor NVIDIA. Die Begründung liegt weniger im Heute als in dem, was ab Mitte 2026 passieren soll. TD Cowen erklärt AMD zur besten Idee 2026 Die Investmentbank TD Cowen sieht in der Aktie von Advanced Micro Devices mehr Skepsis […] (00)
vor 29 Minuten
Sparkasse Gelsenkirchen-Buer
Gelsenkirchen (dpa) - Die Beute beim spektakulären Einbruch in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen lag möglicherweise über 100 Millionen Euro. Das erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. Demnach hätten einzelne Kunden angezeigt, dass sie jeweils mehr als 500.000 Euro in ihren Schließfächern gehabt hätten. «Bild.de» hatte zuvor darüber berichtet. Laut «Bild.de» kommt die Herkunft der Gelder den Ermittlern […] (00)
vor 3 Minuten
Die Geissens
(BANG) - Der Raub in der Geissen-Villa ist womöglich aufgeklärt worden. Nach dem brutalen Überfall auf das Anwesen von Carmen und Robert Geiss im südfranzösischen Saint-Tropez im Sommer 2025 gibt es endlich einen Durchbruch in den Ermittlungen: Die französischen Behörden haben mehrere mutmaßliche Täter festgenommen. Diese Entwicklung sorgt bei der prominenten TV-Familie für Erleichterung und weckt […] (02)
vor 6 Stunden
Proteste in Teheran
Teheran/Oslo (dpa) - Bei den Unruhen im Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation mindestens 19 Demonstranten getötet worden. Hunderte weitere seien verletzt und festgenommen worden, teilte Iran Human Rights mit Sitz in Oslo in seinem jüngsten Bericht mit. Zudem sollen die Behörden zumindest in einigen Gebieten schwere Waffen eingesetzt haben, um Proteste niederzuschlagen. Die iranische Regierung macht weiterhin keine Angaben zu den […] (00)
vor 56 Minuten
Simpler Trick: Mit dieser banalen PS5-Einstellung hält dein DualSense-Akku spürbar länger
Manchmal sind es die kleinen Entscheidungen, die dir einen klaren Vorteil bringen. Du kennst diesen Moment: Du bist gerade voll drin, der Bosskampf läuft, du bist konzentriert und dann poppt dieses kleine, fiese Meldung auf: „Batterie niedrig“. Noch schlimmer ist nur die Variante, bei der du es wegtippst, „nur noch kurz“ weiterspielst und der DualSense dann genau im falschen Augenblick abstirbt. […] (00)
vor 2 Stunden
Amanda Seyfried
(BANG) - Amanda Seyfried verbrachte ein Jahr mit der Vorbereitung auf ihre Rolle in 'The Testament of Ann Lee'. Die 40-jährige Schauspielerin verkörpert in dem Film von Mona Fastvold die titelgebende spirituelle Anführerin und erklärte, dass sie sehr früh mit den Vorbereitungen begonnen habe, da für die Dreharbeiten nur 34 Tage zur Verfügung standen. Auf die Frage, ob die kurze Produktionszeit […] (00)
vor 6 Stunden
74. Vierschanzentournee - Innsbruck
Innsbruck (dpa) - Der erstmals geschlagene Domen Prevc klatschte der japanischen Skisprung-Sensation Ren Nikaido anerkennend Beifall, Bundestrainer Stefan Horngacher ärgerte sich über die Jury. Mit seinem Sieg beim spektakulären Bergiselspringen in Innsbruck verdarb Nikaido dem in der Gesamtwertung weiter souverän führenden Prevc die Chancen auf den Vierfach-Sieg bei der Vierschanzentournee. Den […] (02)
vor 2 Stunden
Mit led streifen fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause
Bietigheim-Bissingen, 04.01.2026 (PresseBox) - Mit LED Streifen Fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause Ein perfektes Kinoerlebnis zu Hause hängt nicht nur von der Bildqualität Ihres Fernsehers ab, sondern auch von der richtigen LED Hintergrundbeleuchtung . Mit LED Streifen hinter Fernseher können Sie nicht nur eine beeindruckende Atmosphäre schaffen, sondern auch das Seherlebnis auf […] (00)
vor 10 Stunden
 
Tech-Giganten im Check: Wer 2025 wirklich überzeugt hat
Alphabet steht an der Spitze, Amazon bildet das Schlusslicht. Das Börsenjahr 2025 hat die […] (00)
RTL-Aktie 2026: Sky-Deal wird zur Schicksalsfrage
2026 wird für RTL zum Jahr der Bewährungsprobe. Die Übernahme von Sky Deutschland muss […] (00)
bitcoin, cryptocurrency, blockchain, digital, investment, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, cryptocurrency
Bitcoin (BTC) hat zu Beginn des Jahres einen Aufschwung erlebt, was die Hoffnung der Optimisten […] (00)
In einer unerwarteten Wendung internationaler Politik kündigte US-Präsident Donald Trump an, […] (01)
Slalom der Frauen
Kranjska Gora (dpa) - Die deutschen Skirennfahrerinnen haben eine Spitzenplatzierung im Slalom […] (01)
Doomscrolling ade: Smartphone mit Tastatur speziell für Messenger-Dienste
Du möchtest mit deinem sozialen Umfeld in Verbindung bleiben und gleichzeitig endlich vom […] (00)
«37°»: Ein Lehrer geht viral
Ein Berliner Lehrer wird zum Social-Media-Phänomen und zum Hoffnungsträger. 37° begleitet am Dienstag, […] (00)
Die Deutsche Bahn steht erneut im Fokus, da die Pünktlichkeit ihrer Fernzüge im vergangenen […] (00)
 
 
Suchbegriff