Die Lage im Überblick

Trump gibt Teheran nur noch wenig Zeit

23. April 2026, 05:57 Uhr · Quelle: dpa
Iran-Krieg - Persischer Golf
Foto: Uncredited/AP/dpa
Die Straße von Hormus bleibt blockiert.
Waffenruhe auf der Kippe: Der Iran setzt auf Stärke, Trump erhöht den Druck. Lässt sich Teheran doch noch dazu bewegen, an den Verhandlungstisch zurückkehren?

Teheran/Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump gibt dem Iran Berichten zufolge nur noch wenige Tage Zeit für einen Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Teheran sieht sich jedoch mit der Blockade der für die Weltwirtschaft wichtigen Straße von Hormus in einer Position der Stärke. Vermittlerstaaten, darunter die Türkei, Pakistan und Ägypten, bemühen sich nach Informationen des «Wall Street Journal» fieberhaft, ein neues Treffen der beiden Seiten zu arrangieren, möglicherweise für diesen Freitag. Die USA wie auch der Iran warnten, sie seien bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen.

Trump sei willens, die Waffenruhe um drei bis fünf Tage zu verlängern, melden das US-Nachrichtenportal «Axios» und der Sender Fox News unter Berufung auf eine US-Quelle beziehungsweise einen Beamten des Weißen Hauses. Trumps am Dienstag verkündete Verlängerung der Waffenruhe ist demnach nur für einen kurzen Zeitraum angedacht. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte zu Journalisten, Trump habe Teheran keine Frist für die Vorlage eines Vorschlags gesetzt. Er sei es aber, der den Zeitplan vorgebe. Der Iran sieht das aber anders. Die «Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren», schrieb ein Berater des Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf auf X.

Teheran hält an Gegenblockade fest

Die jüngsten iranischen Angriffe auf Frachter in der Straße von Hormus zeigten, dass Teheran die Meerenge nach wie vor fest im Griff habe und dadurch die Belastung für die Weltwirtschaft weiter verschärfen könne, schrieb die «New York Times». Das Weiße Haus spielte dagegen die Bedeutung der Vorfälle herunter. Medien würden sie aufbauschen, sagte Leavitt dem Sender Fox News. Irans Marine sei vom US-Militär völlig zerstört. Schnellboote hätten die Frachter attackiert. «Der Iran hat sich von der tödlichsten Marine im Nahen Osten zu einer Bande von Piraten gewandelt», sagte Leavitt. Eine Kontrolle über die Straße von Hormus habe Teheran nicht, behauptete die Sprecherin von Trump.

Der US-Präsident hatte eine Öffnung der Meerenge zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht. Zugleich hält er an der US-Seeblockade fest, die Schiffe betrifft, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, schrieb dazu auf X: «Es ist verlockend zu glauben, dass Zeit und Druck den Iran zum Einlenken zwingen werden. Doch das werden sie nicht.» Anstatt Zugeständnisse zu machen, positioniere sich der Iran für eine Eskalation, «insbesondere auf eine Weise, die die globalen wirtschaftlichen Kosten einer Konfrontation erhöht», hieß es.

Experten: Teheran hat eigene Druckmittel 

Richard Fontaine von der Denkfabrik Center for a New American Security (CNAS), schrieb auf X: «Der Kampf hat sich von der Luft und dem Land aufs Meer verlagert». Es gehe um «Blockade gegen Blockade. Ein Wirtschaftskrieg, konzentriert auf die Straße von Hormus.» Die Blockade iranischer Häfen und die Entziehung von Öleinnahmen für die Revolutionsgarden seien für die USA effektiver als Trumps Drohungen, Kraftwerke und Brücken zu bombardieren.

Das Problem sei, dass der Iran mit der Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft belaste. «Teheran setzt darauf, die Folgen einer Blockade länger aushalten zu können als der Rest der Welt», schrieb Fontaine. Irans Kontrolle über die Meerenge sei für Teheran «nützlicher als sein Atomprogramm». 

Citrinowicz schrieb, die US-Regierung werde irgendwann vor der «unausweichlichen Wahl stehen: Eskalation oder Zugeständnisse.» Selbst ein begrenzter Militärschlag werde Iran kaum zur Kapitulation bewegen. «Wahrscheinlicher ist, dass er eine Eskalation auslöst und die Krise, die er eigentlich eindämmen will, verschärft». Je eher Washington erkenne, «dass Druck ohne politisches Ziel eine Strategie ohne Ausweg ist, desto besser stehen die Chancen, einen endlosen Konflikt zu vermeiden», hieß es. 

Regierungstreuer Sender: «Das Atomthema ist effektiv vom Tisch»

Der regierungstreue iranische Sender Press TV betonte in einer eigenen Einschätzung der Lage, dass der Iran in den vergangenen Jahrzehnten gelernt habe, unter maximalem Sanktionsdruck zu überleben. «Selbst wenn die Blockade morgen aufgehoben würde, würde der Iran sich weiterhin weigern, an Gesprächen teilzunehmen, solange der Feind darauf besteht, die Atomfrage anzusprechen», hieß es. «Das Atomthema ist effektiv vom Tisch».

Der Erzfeind Israel, der den Krieg zusammen mit den USA am 28. Februar begonnen hatte, pocht dagegen bei Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran darauf, dass der Iran Israel nicht mit seinem Atom- und Raketenprogramm bedrohen darf. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln. In Israel glaubt man nicht daran, dass eine Einigung erreicht werden kann. Das Land ist laut Ministerpräsident Benjamin Netanjahu «auf jedes Szenario vorbereitet». Dies gelte «in der Verteidigung und im Angriff», sagte Netanjahu bei einem Treffen mit Soldaten der israelischen Raketenabwehr.

Erneute Gespräche zwischen Israel und dem Libanon

Unterdessen kommen Israel und der Libanon heute in Washington erneut zu Gesprächen auf Botschafterebene zusammen. Es geht um den militärischen Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Die libanesische Regierung, die selbst keine Kriegspartei ist, will, dass die am Freitag in Kraft getretene zehntägige Waffenruhe in eine dauerhafte Beilegung der Kämpfe mündet. Zudem will sie einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Libanons erreichen. Israel strebt laut Netanjahu ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon sowie eine Entwaffnung der Hisbollah an.

Im Südlibanon kommt es jedoch trotz der Waffenruhe vorerst weiter zu tödlichen Zwischenfällen. Bei einem israelischen Luftangriff wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums drei Menschen getötet, darunter eine Journalistin. Sie arbeitete demnach für die Zeitung «Al Achbar», die der Hisbollah-Miliz nahesteht. Es gibt Hinweise darauf, dass die Waffenruhe wackelt. Ein Abgeordneter der Schiiten-Miliz sagte einem libanesischen TV-Sender, die Organisation sei der Waffenruhe nicht mehr verpflichtet.

Bei den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA war umstritten gewesen, ob die zwischen Washington und Teheran vereinbarte Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Teheran sieht das so, die USA und Israel nicht. Die US-Botschaft in Beirut legt derweil ihren Landsleuten im Libanon dringend nahe, das Land zu verlassen. «Die Sicherheitslage ist weiterhin komplex und kann sich schnell ändern», teilte die Botschaft in einer Sicherheitswarnung mit.

Konflikte / Krieg / Schifffahrt / Iran / USA / Israel / Libanon
23.04.2026 · 05:57 Uhr
[1 Kommentar]
Stromtankstelle für E-Auto (Archiv)
Brüssel - Im März haben europäische Autokäufer so viele batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen wie noch nie. Wie Daten des Dienstleisters Dataforce für das "Handelsblatt" zeigen, ist die Zahl der Neuzulassungen von Stromern im März auf rund 360.000 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht das einem Plus von etwa 40 Prozent. Damit […] (00)
vor 31 Minuten
Wasserstoff aus Eisen und Licht: Zufallsfund könnte die Energiewende vereinfachen
Wasserstoff gilt als einer der wichtigsten Energieträger der Zukunft. Ein grundlegendes Problem bleibt jedoch seine Speicherung und sein Transport: Das Gas hat eine vergleichsweise geringe Energiedichte und muss unter hohem Aufwand verflüssigt oder in andere chemische Verbindungen umgewandelt werden. Methanol, ein einfacher Alkohol, gilt dabei als […] (03)
vor 11 Stunden
tado° – Smarte Thermostate, maßgeschneiderter Komfort für jedes Zuhause
tado°, Europas Marktführer im Bereich Energiemanagement für Privathaushalte, kündigt heute eine neue Funktion an, mit der Kunden ihre Smarten Thermostate in mehreren Haushalten über ein einziges Konto steuern können. Ab diesem Sommer verwalten tado°-Nutzer das Raumklima in bis zu fünf Wohneinheiten, vom Hauptwohnsitz und Ferienwohnungen bis hin zu […] (00)
vor 2 Stunden
Xbox: „Mobile Store“ doch nicht tot? Asha Sharma reagiert auf neuen Bericht
Der Xbox Mobile Store galt plötzlich schon wieder als gescheitert. Auslöser war ein neuer Bericht von WindowsCentral.com, laut dem frühere Test-URLs des Projekts inzwischen nur noch auf eine „404“ (Error)-Seite führen. Das wirkte wie ein ziemlich klares Signal: still beerdigt, nie gestartet und Ende der Geschichte. Ganz so einfach ist es offenbar aber […] (00)
vor 8 Stunden
Crime + Investigation zeigt Doku über Serienmörder Lorenzo
Der Pay-TV-Sender setzt Mitte Juni auf einen besonders brutalen Kriminalfall aus den USA. Crime + Investigation hat neues Programmhighlights angekündigt: Am Sonntag, den 14. Juni, zeigt der Sender ab 20.15 Uhr den zweiteiligen Film Steven Lorenzo – Tampas Serienmörder erstmals im deutschen Fernsehen. Im Mittelpunkt steht ein Kriminalfall, der Anfang der 2000er Jahre die US-amerikanische Stadt […] (00)
vor 1 Stunde
Bayer Leverkusen - Bayern München
Leverkusen (dpa) - Torschütze Harry Kane schwenkte vor den Bayern-Fans die Jubelfaust, mit dem Klassiker von der Fahrt nach Berlin stimmten sich die Fans auf das DFB-Pokalfinale ein. Auch «Super-Bayern» und «Wir holen die Meisterschaft und den Europacup und den Pokal» skandierten die mitgereisten Anhänger nach dem 2: 0 (1: 0) des Rekordmeisters gegen […] (05)
vor 8 Stunden
bitcoin, cryptocurrency, digital, money, electronic, coin, virtual, cash, payment, currency
Bitcoin (BTC) setzte am Mittwoch seinen Erholungskurs fort und erreichte Niveaus, die seit Ende Januar nicht mehr gesehen wurden. Der Kurs stieg um knapp 5 % über die $79.000-Marke, nachdem Präsident Trump angekündigt hatte, den Waffenstillstand mit dem Iran zu verlängern. Kann Bitcoin die Rallye aufrechterhalten? Marktanalysten richten ihre Aufmerksamkeit nun auf die […] (00)
vor 1 Stunde
HYTN erweitert sein GMP-Angebot: Bringt “HARd” frischen Rückenwind für Wachstum?
Lüdenscheid, 22.04.2026 (PresseBox) - HYTN Innovations Inc. (ISIN: CA40443L1040 | WKN: A3DEUD), HYTN oder das Unternehmen, ein pharmazeutischer Hersteller, der sich auf Produkte mit psychoaktiven und […] (00)
vor 13 Stunden
 
Kanzler Merz mit BND-Präsident Jäger
Berlin (dpa) - Kriege und Krisen, bröckelnde Allianzen, KI-Revolution: 70 Jahre nach […] (00)
Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia
Tazewell (dpa) - Im Kampf um eine bessere Ausgangslage bei den US-Zwischenwahlen im […] (00)
Blick vom Zahnarzt-Patientenstuhl (Archiv)
Berlin - Im Konflikt um die Finanzierung der Gesundheitskosten der Bürgergeldbezieher […] (01)
Atomkraftwerk (Archiv)
Berlin - Vor dem Hintergrund des 40. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von […] (04)
Dreame Z30 Pro Aqua ab sofort erhältlich
Dreame Technology, ein weltweit führendes Unternehmen für smarte […] (00)
Meryl Streep möchte 'Der Teufel trägt Prada 3' machen.
(BANG) - Meryl Streep möchte 'Der Teufel trägt Prada 3' machen. Am 1. Mai kehrt die […] (00)
Ein strategischer Schritt für den Future Fund Der Future Fund, Australiens […] (00)
Rebel Wolves enthüllt Ende April neue Facetten von The Blood of Dawnwalker
Rebel Wolves und Bandai Namco Entertainment Europe kündigen den Stream des Road to […] (00)
 
 
Suchbegriff