Transatlantischer Handelsfrost: Deutsche Wirtschaft hofft auf den kleinen Sturm
Sollte der amtierende US-Präsident Donald Trump am heutigen Abend gegenüber der Europäischen Union wechselseitige Zölle verkünden, könnte dies für die deutsche Wirtschaft das kleinere Übel darstellen – zumindest, wenn man den Berechnungen des Ifo-Instituts Glauben schenkt. Zwar könnte über die Hälfte der deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten von den neuen Handelsbarrieren betroffen sein, wie die Expertin für internationalen Handel, Lisandra Flach, ausführt, doch die Konsequenzen wären vergleichsweise moderat.
Ohne eine europäische Gegenreaktion prognostiziert das Ifo-Institut einen Rückgang der deutschen US-Exporte um 2,4 Prozent; mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen seitens der EU könnte dieser Rückgang auf bis zu 3 Prozent ansteigen. Angesichts der im Raum stehenden pauschalen Zölle von 20 Prozent würden diese Werte jedoch bei Weitem nicht die dramatischeren Effekte erreichen, die einstige Ifo-Simulationen prophezeiten, bei denen Exporteinbußen von rund 15 Prozent simuliert wurden.
Der Grund für die mildere Prognose liegt, so Flach, in der vergleichsweise geringen Lücke zwischen den Zöllen, die von den USA und der EU gegenseitig erhoben werden – im Schnitt nur 0,5 Prozentpunkte, was weitaus geringer ist als bei anderen Handelspartnern der Vereinigten Staaten. Gleichwohl wäre vor allem die deutsche Autoindustrie spürbar betroffen, gefolgt von den Sektoren Kleidung und Textilien.
Nichtsdestotrotz bietet das Ifo-Institut auch optimistischere Szenarien an: Sollten die USA ihre höherrangigen Zölle auf das Niveau der EU senken, könnte dies die Wertschöpfung in Deutschland ankurbeln. Eine Einigung auf eine Angleichung der Zölle auf das jeweilige niedrigere Niveau wäre laut Modell gar mit einem Anstieg der Exporte und der Wertschöpfung hierzulande verbunden. Flach merkt jedoch an, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die USA zu Zollsenkungen bereit sind, als niedrig einzustufen ist.
Letztlich betont die Handelsexpertin, dass diese Analysen die Bedeutung von Verhandlungen unterstreichen, um die schädlichen Auswirkungen eines Handelskonflikts zu verhindern. Die Zollpolitik der gegenwärtigen US-Regierung wird von Flach dabei als ein "Frontalangriff auf die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung" betrachtet.

