Niedersächsische CDU-Fraktion

Sexualisiertes KI-Video? CDU entlässt Mitarbeiter

02. April 2026, 11:38 Uhr · Quelle: dpa
CDU
Foto: Friso Gentsch/dpa
Die CDU in Niedersachsens Landtag hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. (Symbolbild)
Ein Mitarbeiter der CDU-Fraktion in Niedersachsen soll ein sexualisiertes KI-Video einer Kollegin per Chat geteilt haben. Die Fraktion greift durch und hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Hannover (dpa) - Wegen Vorwürfen um ein mutmaßliches Deepfake-Video mit sexualisiertem Inhalt hat die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Man habe die Behörde in Hannover über den Sachverhalt informiert und sämtliche Unterlagen übergeben, teilte die Fraktion mit.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur den Vorgang und eine Prüfung des Sachverhalts. Ermittelt werde bislang aber nicht.

Nach Angaben der CDU-Fraktion geht es um die Verbreitung eines möglichen Deepfake-Videos mit sexualisiertem Inhalt in einer privaten WhatsApp-Gruppe mit Bezug zur Mitarbeiterschaft der Fraktion. Weitere Details nannte die Fraktion nicht. Deepfakes sind täuschend echte, mit Künstlicher Intelligenz (KI) generierte oder manipulierte Bilder, Videos und Audioaufnahmen.

Staatsanwaltschaft: Video «offensichtlich» KI-Montage

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Kurzvideo inzwischen gesichtet. «Da ist eine Frau, die in einem Bikini tanzt. Diese Frau sieht aus wie eine Mitarbeiterin der CDU-Fraktion», sagte ein Behördensprecher. Bei dem Video handele es sich «offensichtlich um eine KI-Montage». Dafür sei mutmaßlich ein echtes Bild der Frau in das Video montiert worden. Es gebe entsprechende Software, die das ermögliche.

Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Ersteller des Videos, ein Mitarbeiter der CDU-Fraktion, würden bislang nicht geführt, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter mit. Es gebe bei dem Video keine Hinweise auf den Tatbestand einer Beleidigung – wohl aber den Verdacht auf eine Verletzung des Kunsturhebergesetzes, sollte das Foto der Frau verändert worden sein. Dabei handele es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt, sagte der Staatsanwalt. Die Staatsanwaltschaft könne nur tätig werden, wenn ein Strafantrag eingehe. 

Das Video sei bereits am 17. Januar in der Chatgruppe eingestellt worden. Bislang sei kein Strafantrag gestellt worden, sagte der Behördensprecher. Noch sei eine dreimonatige Frist für dieses Antragsdelikt nicht verstrichen – die Frist beginne ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme der Betroffenen. Sollte bis dahin ein Strafantrag vorliegen, würde die Staatsanwaltschaft den Fall erneut prüfen, hieß es.

Sollte der Vorfall verschwiegen werden?

«Welt» und «Business Insider» berichteten, dass mehrere CDU-Fraktionsmitarbeiter in der privaten Chatgruppe vertreten waren. Einer von ihnen soll demnach die übrigen Beteiligten noch im Januar aufgefordert haben, das Video zu löschen und Stillschweigen zu bewahren. Außerdem habe er dem Ersteller des Videos eine Abmahnung erteilt. Fraktionschef Sebastian Lechner und die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann seien erst am 27. März informiert worden.

Dem Bericht zufolge wurde der Mitarbeiter, der zum Stillschweigen aufgerufen hatte, am Dienstag suspendiert. Der Ersteller des Videos sei fristlos entlassen worden.

CDU-Kreise bestätigten der dpa die Angaben aus dem Bericht von «Welt» und «Business Insider». Eine Sprecherin der CDU-Fraktion wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte zudem, in dem Schreiben der CDU-Fraktion würden auch Angaben zu dem mutmaßlichen Ersteller des möglichen KI-Videos – einem Mitarbeiter der Fraktion – gemacht. Er soll das Video in die Chatgruppe eingestellt haben, um damit aufzuzeigen, welche Gefahren durch KI-Manipulationen drohen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Danach sei das Video in dem Chat gelöscht worden. Wann das war, ist nicht bekannt.

Lechner: «Null Toleranz» bei Frauenfeindlichkeit in der CDU

Fraktionschef Lechner kündigte umfassende Aufklärung an. «Alles muss transparent und lückenlos aufgeklärt werden», sagte er. «Bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gibt es in der CDU null Toleranz.» Die Fraktion nehme die Angelegenheit sehr ernst.

Der Fraktionschef kündigte zudem an, mit externer Unterstützung Maßnahmen zur Verbesserung interner Strukturen zu erarbeiten. Ziel sei es, Sexismus besser zu verhindern und Betroffene sexualisierter Gewalt zu unterstützen.

Die CDU-Fraktion betonte, es gelte die Unschuldsvermutung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte werde es vorerst keine weiteren Stellungnahmen geben.

Gesetz gegen digitale sexuelle Gewalt in Planung

Deepfake-Videos werden auf der politischen Agenda zunehmend als Problem erkannt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereitet ein Gesetz gegen digitale sexuelle Gewalt vor, das unter anderem das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll.

Update: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Antragsfrist ende Mitte April. Korrekt ist, dass die dreimonatige Frist erst ab Kenntnisnahme der Betroffenen beginnt. Zudem hieß es, die Staatsanwaltschaft könne nur tätig werden, wenn eine Strafanzeige eingeht. Korrekt muss es Strafantrag heißen. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Angaben korrigiert.
Landtag / Partei / Kriminalität / CDU / Niedersachsen / Deutschland / Deepfake
02.04.2026 · 11:38 Uhr
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