Transatlantischer Handel: Europäische Exporte unter Druck
Aktuelle Daten zeigen eine deutliche Abschwächung der europäischen Exporte in die USA. Grund dafür sind gestiegene Zölle und ein starker Euro, wodurch europäische Waren für amerikanische Käufer teurer werden. Laut UN Comtrade-Statistiken importierten die USA im Juli 2025 Waren im Wert von 53,7 Milliarden Dollar aus der Europäischen Union, was einem Rückgang von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In den letzten drei Monaten beliefen sich die EU-Exporte in die USA auf insgesamt 168,1 Milliarden Dollar – ein deutlicher Rückgang von 213,2 Milliarden Dollar im vorangegangenen Quartal. Dieser Rückgang spiegelt den Höhepunkt eines Importansturms im März wider, als US-Unternehmen versuchten, vor den neuen Zöllen ab dem 2. April Vorräte anzulegen.
Besonders betroffen von diesem Rückgang sind die Schlüsselindustrien wie die Pharma- und Automobilbranche. Im Juli 2025 sanken die US-Importe von europäischen Pharmaprodukten auf 9,5 Milliarden Dollar, verglichen mit 11,5 Milliarden im Vorjahr. Noch dramatischer zeigt sich der Rückgang bei den Fahrzeugexporten: Diese fielen auf 4,68 Milliarden Dollar, von zuvor 6,2 Milliarden Dollar im Juli 2024. Auch im Dreimonatsvergleich zeigt sich der Abwärtstrend bei den Autoexporten deutlich: Sie beliefen sich auf 13,6 Milliarden Dollar, verglichen mit 16,23 Milliarden im vorangegangenen Quartal und 19,3 Milliarden vor einem Jahr.
Die schwindenden Exporte wirken sich auch auf den Handelsüberschuss Europas mit den USA aus. Im Juli verzeichnete die EU einen Überschuss von 11,97 Milliarden Dollar – beinahe die Hälfte der 23,6 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr. Über den dreimonatigen Zeitraum sank der Handelsüberschuss der EU auf 40,4 Milliarden Dollar, verglichen mit 85,8 Milliarden Dollar im letzten Quartal und 61,9 Milliarden Dollar im selben Zeitraum 2024.
Zwei Hauptfaktoren belasten den transatlantischen Handel: Zölle und Währung. Am 2. April, von der US-Regierung als „Befreiungstag“ gefeiert, führte Präsident Trump einen Zoll von 20 Prozent auf alle EU-Importe ein, der im Juli auf 15 Prozent gesenkt wurde. Trotz der Reduzierung ist dieser Tarif immer noch beträchtlich höher als im Vorjahr. Für Autos wurde ein Zoll von 15 Prozent vereinbart, weit ab von früheren 27,5 Prozent.
Zudem hat der Euro in diesem Jahr gegenüber dem Dollar an Wert gewonnen, was europäische Exporte teurer macht. Die Einheitswährung stieg von 1,02 Dollar zu Jahresbeginn auf 1,18 Dollar im September. Im Vergleich zu Juli 2024 hat der Euro über 8 Prozent zugelegt, ein Anstieg, der die Preiswettbewerbsfähigkeit untergräbt.
Laut Nicola Nobile, Ökonom bei Oxford Economics, könnte der neue 15-prozentige Zollsatz im US-EU-Handelsabkommen die handelspolitische Unsicherheit verringern. Dennoch bleiben viele Unbekannte hinsichtlich der US-Handelspolitik, die weiterhin für Unruhen sorgen könnten.
Im Angesicht politischer und währungsbedingter Herausforderungen steht das zweite Halbjahr 2025 unter keinem günstigen Stern für europäische Exporteure, die den größten Markt der Welt im Visier haben.

