TikTok streicht Hunderte Moderationsstellen in London – trotz strengeren UK-Sicherheitsgesetzes
TikTok baut seine Moderationsteams in London massiv ab. Mehrere Hundert Mitarbeiter der Trust-and-Safety-Abteilung sind von den geplanten Kürzungen betroffen, wie aus internen Mitteilungen hervorgeht. Nur wenige Wochen nach Inkrafttreten zentraler Teile des britischen Online Safety Act setzt die Plattform damit auf Automatisierung und Standortverlagerung – auch wenn Verstöße gegen das Gesetz Bußgelder von bis zu 10 Prozent des globalen Umsatzes nach sich ziehen könnten.
Die ByteDance-Tochter erklärte, Moderations- und Qualitätssicherungsarbeiten sollten künftig nicht mehr in London erfolgen. Stattdessen will das Unternehmen technologische Fortschritte, insbesondere große Sprachmodelle, stärker nutzen und Expertise in regionale Hubs wie Dublin oder Lissabon verlagern. Bereits im Sommer hatte TikTok die Schließung seines Moderationsteams in Berlin bekanntgegeben.
Besonders brisant: Der Schritt fällt in die Woche vor einer geplanten Abstimmung zur Gewerkschaftsbildung der Londoner Mitarbeiter – ein Vorhaben, das das Management bislang abzuwenden versucht hatte. Laut Communication Workers Union sind in London rund 300 Beschäftigte im Bereich Trust and Safety tätig, von denen die Mehrheit betroffen sein dürfte.
Das Unternehmen betont, dass die Reorganisation Teil einer globalen Strategie sei, die bereits im vergangenen Jahr eingeleitet wurde, um Effizienz und Geschwindigkeit durch zentrale Strukturen zu erhöhen. Kritiker wie die Gewerkschaft CWU werfen TikTok jedoch vor, die Arbeit schlicht in Niedriglohnländer zu verlagern und die Automatisierung als Innovationsargument vorzuschieben.
Die Umstrukturierung erfolgt vor dem Hintergrund rasant steigender Umsätze in Europa. Laut dem jüngsten UK-Regulierungsbericht kletterten die Erlöse 2024 um 38 Prozent auf 6,3 Mrd. Dollar, während die Verluste vor Steuern von 1,4 Mrd. auf 485 Mio. Dollar sanken.


