Tiefstand der Inflation: Überraschender Rückgang im Juni
Die Inflationsrate in Deutschland ist auf ein überraschend niedriges Niveau gesunken und markiert damit den geringsten Anstieg der letzten Monate. Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Verbraucherpreise im Juni lediglich um 2,0 Prozent höher lagen als im Vorjahresmonat. Dies ist eine bemerkenswerte Entwicklung, da im Mai noch eine Rate von 2,1 Prozent erfasst wurde. Ein wesentlicher Faktor für den Rückgang ist die verbilligte Energie im Vergleich zum Vorjahr, die um 3,5 Prozent gefallen ist, obwohl die Abnahme langsamer wird.
Der Konflikt zwischen Israel und Iran hat sich weniger auf die Energiepreise ausgewirkt als befürchtet. Der erstarkte Euro gegenüber dem Dollar hat die Situation zusätzlich entschärft. Bei den Lebensmitteln stiegen die Preise im Juni um 2,0 Prozent an, was einem Rückgang im Vergleich zu den 2,8 Prozent im Mai entspricht. Doch besonders die Preise für Dienstleistungen blieben hartnäckig hoch und stiegen um 3,3 Prozent, was auf gestiegene Löhne und die Urlaubszeit zurückzuführen ist.
Der Ukraine-Krieg hatte 2022 eine starke Preiswelle ausgelöst, die im Frühjahr 2023 mit einer Inflationsrate von 5,9 Prozent kulminierte, bevor sich die Rate auf 2,2 Prozent entspannte. Trotz der moderaten Inflation sind die Lebenshaltungskosten höher geblieben, was vor allem beim Einkaufen zu spüren ist.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hebt hervor, dass die Kerninflation ohne schwankungsanfällige Energiekosten im Juni weiterhin bei 2,7 Prozent lag und damit über dem Ziel der EZB. Einzeln betrachtet, könnten zukünftige politische Entwicklungen, wie aggressive Zollmaßnahmen durch die USA oder erhöhte Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen, die Inflation weiter beeinflussen. Daher bleibt die zukünftige Entwicklung ungewiss.
Die Bundesbank prognostiziert eine fortdauernde Schwankung um die Zwei-Prozent-Marke. Dies würde den Erwartungen der Europäischen Zentralbank entsprechen, die Preisstabilität bei zwei Prozent sieht. Die EZB hat angesichts des rückläufigen Inflationsdrucks den Einlagenzins auf 2,0 Prozent gesenkt und könnte bei ihrem nächsten Treffen eine Zinspause einlegen. Die hohen Dienstleistungspreise könnten allerdings weitere Zinssenkungen verhindern, wie Thomas Gitzel von der VP Bank anmerkt.

