Teilen und Herrschen? Kraft Heinz kämpft mit der Welle der gesunden Ernährung
Kraft Heinz steht vor einem strategischen Umbruch und plant, sich in zwei eigenständige Unternehmen aufzuteilen: Eines soll sich künftig auf Saucen und Gewürze konzentrieren, während das andere den Bereich Lebensmittel abdeckt. Dieser Schritt erfolgt, nachdem das Unternehmen jahrelang die deutliche Verbraucherbewegung hin zu weniger verarbeiteten Lebensmitteln verpasst hat. Unterstützung erhält diese Strömung nun noch zusätzlich von der US-Regierung sowie von einzelnen Bundesstaaten wie Kalifornien, die vehement die Forderung nach gesünderen Alternativen im Lebensmittelbereich vorantreiben.
Jedoch stehen Experten dem Plan von Kraft Heinz skeptisch gegenüber. Die Aufteilung allein werde kaum ausreichen, um die einst attraktiven Marken wiederzubeleben. Aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks durch Marken wie Rao's Homemade, die sich dynamischer auf die Wünsche der Verbraucher einstellen, verliert Kraft Heinz zunehmend an Marktanteil, was besonders bei beliebten Produkten wie Kraft Mac & Cheese sichtbar wird.
Zusätzlich erschweren veränderte Konsumgewohnheiten und der Rückgang des Käuferinteresses nach natürlichen Produkten das Wachstum für traditionelle Größen der Nahrungsmittelindustrie. Kraft Heinz versucht derweil, durch Umstellungen in den Rezepturen auf den Gesundheitszug aufzuspringen und hat über 1.000 Rezepte überarbeitet sowie künstliche Farbstoffe aus den US-Marken entfernt. Dennoch sind frühere Angestellte der Ansicht, dass diese Maßnahmen bislang wenig gebracht haben, um das Image als Produzent ungesunder Lebensmittel zu ändern.
Kalifornien plant neue Gesetze gegen hochverarbeitete Nahrungsmittel, die in diesem Monat verabschiedet werden könnten. Auch andere US-Staaten ziehen nach. In diesem Kontext wirken die Maßnahmen von Kraft Heinz etwas zögerlich. Zudem hat sich das Unternehmen die Kritik eingehandelt, zu lange an der Verwendung von High-Fructose Corn Syrup festgehalten zu haben, obwohl die Gesundheitsbedenken schon lange bekannt sind.
Unter dem steigenden Druck von Politik und Konsumenten sowie der rückläufigen Verkaufszahlen bleibt abzuwarten, ob Kraft Heinz der drohenden Erosion seiner Marken rechtzeitig entgegenwirken kann. Wie der ehemalige H.J. Heinz CEO Bill Johnson resümierte, fehlt es den großen Nahrungsmittelkonzernen oftmals an Innovation – ein Aspekt, an dem Kraft Heinz künftig verstärkt arbeiten muss.

