Teheran im Ausnahmezustand: Die Geisterstadt am Albors-Gebirge
Im Windschatten des fünftägigen Konflikts zwischen Israel und dem Iran herrscht in Teheran, der iranischen Millionenstadt am Fuße des Albors-Gebirges, eine beispiellose Ruhe. Die dynamische Hauptstadt, normalerweise pulsierend vor Leben, wirkt heute wie eine Geisterstadt. In einer Atmosphäre von Anspannung und Unsicherheit hat die jüngste Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zur Flucht der Teheraner die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft.
Viele Einwohner sind bereits geflüchtet, viele suchen Zuflucht im Norden am Kaspischen Meer, in ländlichen Kleinstdörfern oder in Grenznähe. In der Metropole selbst machen sich die Auswirkungen des Konflikts bemerkbar: Stromausfälle und unterbrochene Wasserversorgung gehören zum Alltag, während die Supermärkte rasch leergekauft werden und die hohen Temperaturen von über 35 Grad tagsüber unerbittlich ohne die sonst allseits laufenden Klimaanlagen herrschen.
Nicht alle haben die Stadt verlassen. Einige, wie Ramin, ein 34-jähriger Basarhändler, haben aus Pflicht- oder Sicherheitsgefühl bewusst beschlossen, in Teheran zu bleiben, um auf Habe und Heim zu achten. Andere, wie der 27-jährige Supermarktverkäufer Mohammed-Resa, versuchen, dem Alltag so normal wie möglich nachzugehen, trotz des ständigen Hintergrunds von Explosionen. Die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln zeigt, dass sich das Konsumverhalten geändert hat und die Menschen bereit sind, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren – auch mit gefrorenem Brot.
Derweil steigt die spekulative Spannung um einen möglichen Eintritt der USA in den schon bestehenden Konflikt. Trumps Worte haben in den sozialen Medien Staub aufgewirbelt und die Menschen in Aufruhr versetzt. Während die Hintergründe über die genaue Zahl der Geflohenen im Dunkeln bleiben, suggeriert der ungewöhnlich klare Himmel über Teheran, dass viele Bewohner der Stadt tatsächlich den Rat gefolgt sind.

