Tarifrisiken und Tech-Schwäche belasten US-Märkte – Kapital verschiebt sich nach Europa
Der S&P 500 hat im ersten Quartal 2025 rund 4,6 % verloren – das schwächste Ergebnis seit 2022. Der Technologieindex Nasdaq Composite schnitt ähnlich schlecht ab. Ausschlaggebend sind zwei Entwicklungen: zunehmende Unsicherheit über die US-Handelspolitik unter Präsident Trump sowie ein spürbarer Rückzug aus wachstumsgetriebenen Tech-Aktien. Analysten senken Konjunkturprognosen und erwarten zugleich höhere Inflation. Kapitalströme verlagern sich – hin zu europäischen Märkten.
Die geopolitischen Spannungen schlagen sich zunehmend in den Portfolios nieder. Eine Analyse von Bank of America zeigt: Netto 23 % der befragten Fondsmanager sind derzeit untergewichtet in US-Aktien – ein Rekordwert. Gleichzeitig erreicht die Präferenz für europäische Aktien den höchsten Stand seit Juli 2021. Der Stoxx Europe 600 hat den S&P 500 im laufenden Jahr um 9,8 Prozentpunkte übertroffen – die stärkste Outperformance seit 2015.
Besonders gefragt sind europäische Rüstungswerte. Rheinmetall-Aktien haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt, Thales legte um 77 % zu. Auslöser ist die Ankündigung mehrerer europäischer Staaten, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen – auch als Reaktion auf Washingtons Warnung, die Sicherheitsgarantien nicht als selbstverständlich zu betrachten.
US-Technologiewerte, einstige Börsenlieblinge, verlieren an Zugkraft. Nvidia, das lange als Flaggschiff der KI-Euphorie galt, liegt 2025 bislang 19 % im Minus. Apple und Microsoft verloren jeweils rund 11 %. Der KI-Wettbewerb mit China und die überhöhten Erwartungen an zukünftiges Wachstum setzen die Bewertungen unter Druck. Gleichzeitig bevorzugen Anleger derzeit eher defensive Sektoren wie Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter und Versorger.
Auch makroökonomisch verschiebt sich die Dynamik. Während Europa fiskalpolitisch aktiver wird – unter anderem durch Deutschlands Investitionspaket – herrscht in den USA Planungsunsicherheit. Trumps unstete Zollpolitik lässt Unternehmen zögern. „Wenn die Unsicherheit anhält, werden viele Investitionen und Neueinstellungen auf Eis gelegt“, sagt Tiffany Wade von Columbia Threadneedle.
Anzeichen für Risikoflucht mehren sich. Gold verteuerte sich um 19 % – der stärkste Quartalsgewinn seit 2011. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel seit Jahresbeginn von 4,577 % auf 4,245 %. Zugleich ist der Dollar gegenüber wichtigen Währungen schwächer geworden – ein weiteres Signal dafür, dass globale Anleger eine Neupositionierung vornehmen.
Der Optimismus zum Jahreswechsel ist verflogen. Noch Ende 2024 waren S&P 500 und Nasdaq durch Zinssenkungen und steuerpolitische Hoffnungen auf Rekordkurs. Heute bestimmen Unsicherheit, geopolitisches Kalkül und Kapitalumschichtungen das Geschehen. Europa profitiert – erstmals nicht nur als Bewertungsalternative, sondern als aktiver Markt mit neuer politischer Agenda.

