Sympatex in der Krise: Insolvenz nach Jahren der finanziellen Schieflage
Insolvenz und Fortführungsversuch
Das Amtsgericht München hat für die Sympatex Technologies GmbH aus Unterföhring das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet und den erfahrenen Sanierungsexperten Axel W. Bierbach zum Insolvenzverwalter bestellt. Sein Ziel ist es, den laufenden Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, Kundenaufträge weiter zu bedienen und Sanierungsoptionen zu prüfen. Die rund 70 Beschäftigten erhalten bis Ende März Insolvenzgeld.
Auch die Muttergesellschaft Smart Solutions Holding hat Insolvenzantrag gestellt. Dort wird in einem separaten Verfahren untersucht, ob und in welcher Form eine Restrukturierung oder ein Verkauf möglich ist.
Ein technologisch starkes, aber finanziell geschwächtes Unternehmen
Sympatex entwickelt und produziert seit Jahrzehnten wasserdichte und zugleich atmungsaktive Membranen für Outdoor-Bekleidung, Schuhe und technische Textilien. Die Produkte gelten als umweltfreundliche Alternative zu PTFE-basierten Materialien und stehen im Wettbewerb mit Marktführer Gore-Tex. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 22,8 Millionen Euro.
Trotz der starken Marktposition gelang es Sympatex jedoch nicht, dauerhaft profitabel zu wachsen. Hohe Entwicklungskosten, ein intensiver Preiskampf in der Outdoor-Branche und zurückhaltende Konsumnachfrage belasteten die Ertragslage.
Die Altlast der Mittelstandsanleihe
Ein zentrales Problem liegt in der Vergangenheit: 2013 hatte die damalige Muttergesellschaft eine Mittelstandsanleihe über 13 Millionen Euro begeben. Vier Jahre später wurde den Anlegern ein drastischer Schuldenschnitt von 90 Prozent abverlangt. Die Alternative, so hieß es damals, sei eine Insolvenz mit noch höheren Verlusten.
Ein Urteil des Landgerichts München I aus dem Oktober 2025 stellte später fest, dass die Anleihegläubiger bei dieser Restrukturierung in die Irre geführt worden waren. Von einem angeblichen Investor, der als „weißer Ritter“ das Unternehmen retten sollte, habe es in Wahrheit nie ein ernsthaftes Angebot gegeben. Stattdessen seien die Interessen der Anleger zugunsten der damaligen Eigentümer und Berater hintangestellt worden.
Chancen auf einen Neustart
Der jetzige Insolvenzverwalter betont die Substanz des Unternehmens: moderne Technologie, erfahrene Spezialisten und eine etablierte Kundenbasis. Ziel ist es, Sympatex entweder über eine Sanierung im bestehenden Verbund oder über einen Verkauf an einen strategischen Investor fortzuführen.
Die Insolvenz eröffnet damit die Möglichkeit eines Neustarts ohne die finanziellen Altlasten der Vergangenheit. Ob es gelingt, aus der technologischen Stärke wieder ein tragfähiges Geschäftsmodell zu formen, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.


