Surfen im Internet: Fluch oder Segen für die Älteren?
Die Digitalisierung der Kommunikation stellt längst nicht nur für Kinder und Jugendliche eine Herausforderung dar; auch bei älteren Generationen entfaltet das Internet seine Vor- und Nachteile. Während bei der jüngeren Bevölkerung oft die negativen Auswirkungen diskutiert werden, zeigt eine Hongkonger Studie, dass die Nutzung des Internets bei älteren Personen mit einem höheren Wohlbefinden korreliert. So kann das Surfen im Netz – zumindest laut der Forschung von Qingpeng Zhang – zu einer gesteigerten Lebenszufriedenheit, einer verbesserten Gesundheit und weniger Depressionssymptomen führen. Was jedoch weiterhin Spekulation bleibt, ist die Frage, ob tatsächlich die Internetnutzung für diese Effekte verantwortlich ist oder ob andere Faktoren hineinspielen.
Die Realität im digitalen Zeitalter ist kompliziert. Sozialforscherin Licia Bobzien von der Universität Potsdam weist darauf hin, dass die Nutzung sozialer Medien beides sein kann: Chance und Risiko. In verschiedenen Altersgruppen zeigt sich, dass ältere Menschen vermehrt Plattformen wie WhatsApp oder Facebook verwenden, um in Kontakt zu bleiben. Die Studienlage zeigt, dass es zwar positive Effekte geben kann, wenn beispielsweise ältere Menschen medizinische Informationen eigenständig recherchieren und sich mit Gleichgesinnten austauschen, doch bleibt das Internet ein zweischneidiges Schwert. Exzessiver Konsum könnte reale soziale Interaktionen und physische Aktivitäten einschränken.
Catarina Katzer, Cyberpsychologin, bringt ein weiteres essenzielles Thema ins Spiel: Unser Gehirn ist evolutionär nicht auf die digitale Informationsflut vorbereitet. Der schnelle Rhythmus des Internets kann uns emotional und kognitiv herausfordern, und es besteht die Gefahr, dass kritische Denkfähigkeiten verloren gehen. Für alle Altersgruppen gilt es, bewusst mit der digitalen Welt umzugehen und klare Grenzen zu setzen. Interessant bleibt, dass laut Bobzien die Jüngeren tendenziell mehr Zeit online verbringen, was zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. Dabei stellt sich die Frage: In welchem Maße können oder sollten digitale Medien reguliert werden, um sowohl jüngere als auch ältere Generationen zu schützen, ohne die positiven Aspekte zu vernachlässigen?

