Südkoreas junge Mediziner im Aufstand gegen Bildungspolitik
In einer beispiellosen Kollektivaktion legen tausende junge Ärzte in Südkorea ihre Arbeit nieder und fordern die Regierung heraus. Das Gesundheitsministerium des Landes hat am Montag nachdrücklich appelliert, die Arbeit bis Donnerstag wieder aufzunehmen und droht andernfalls mit harten Konsequenzen. Vize-Gesundheitsminister Park Min Soo verdeutlichte vor der Presse das Damoklesschwert, das über den Köpfen der Mediziner schwebt: strafrechtliche Maßnahmen und mindestens dreimonatiger Zulassungsentzug.
Die Wurzel des Konflikts ist die geplante Erweiterung der Studienkapazitäten im Bereich Medizin, die der konservative Präsident Yoon Suk Yeol und seine Regierung vorantreiben wollen. Über 10.000 Mediziner im Praktikum und Assistenzärzte, die ein Drittel der gesamten Ärzteschaft in Südkorea repräsentieren, haben ihren Rücktritt eingereicht und treten nicht mehr ihren Dienst an. Der massive Ausfall dieser Ärzteschaft führt bereits zu spürbaren Engpässen. Der staatliche Sender Arirang berichtet von drastischen Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb in Seoul: Bis zur Hälfte aller Operationen und Behandlungstermine wurden abgesagt oder verschoben.
Die Regierung plant ab dem kommenden Jahr eine Aufstockung der Medizinstudienplätze um 2000, um einem prognostizierten Ärztemangel vorzubeugen. Ärzteverbände kritisieren jedoch, dass sie in diese Entscheidung nicht einbezogen wurden und verlangen generelle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Trotz der internen Kritik findet der Plan der Regierung in der Bevölkerung breiten Zuspruch, wie aktuelle Umfragen belegen. Es ist nicht das erste Mal, dass Südkoreas junge Ärzte sich gegen derartige Reformvorhaben stemmen; bereits vor vier Jahren regte sich Widerstand gegen ähnliche Pläne, die schlussendlich nicht verwirklicht wurden. (eulerpool-AFX)

