Suche nach neuem Bahnchef: Minister Schnieder unter Druck
Die Zukunft der Deutschen Bahn steht an einem entscheidenden Punkt: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sieht sich zuversichtlich, bald eine neue Führungsspitze präsentieren zu können. Wie der Minister kürzlich im Rahmen seiner Sommerreise verkündete, gibt es zahlreiche Interessenten für den prestigeträchtigen, aber herausfordernden Posten an der Bahnspitze. Die Aufgabe bestehe nun darin, den bestmöglichen Kandidaten oder die beste Kandidatin aus dieser Auswahl zu finden.
Vor kurzem hatte Schnieder überraschend angekündigt, dass der derzeitige Bahnchef Richard Lutz seine Position räumen wird, da er nach Meinung der Koalitionsregierung nicht die geeignete Person zur Bewältigung der aktuellen Krise ist. Bereits im Koalitionsvertrag wurde eine Neuaufstellung der Bahnführung festgeschrieben. Die Präsentation einer neuen Strategie für den kriselnden Konzern ist für den 22. September geplant – mit der Hoffnung, gleichzeitig oder bald darauf die neue Führungsspitze vorstellen zu können.
In der Zwischenzeit bleibt Lutz im Amt, während der Aufsichtsrat der Bahn externe Unternehmensberater engagiert hat, um mögliche Nachfolger zu finden. Namen wie Evelyn Palla, Vorständin im Regionalverkehr, oder Philipp Nagl, bisheriger Chef der DB InfraGo, werden in diesem Zusammenhang genannt. Auch Peter Füglistaler und Andreas Matthä wurden in Erwägung gezogen, erteilten jedoch eine Absage.
In Expertenkreisen und bei Vertretern der Gewerkschaften besteht Verwunderung über die frühe Ankündigung von Lutz’ Abgang ohne benannten Nachfolger. Dies erhöht den Druck auf den Minister, rasch eine qualifizierte Person zu präsentieren, um ein Führungsdefizit zu vermeiden. Trotz der im Raum stehenden Herausforderungen betonte Schnieder, dass die Suche nach einem neuen Bahnchef nicht verdeckt geführt werden könne, und wies Kritik an seinem Vorgehen zurück.
Unabhängig von der Personalauswahl steht die neue Leitung vor komplexen Aufgaben: Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist historisch schlecht, die Infrastruktur überlastet und marode. Zudem plagen den Konzern finanzielle Verluste trotz einer leichten Entlastung durch den Verkauf von DB Schenker. Schnieder betont, dass das neue Personal allein nicht alle Probleme lösen wird, sondern auf umfassende strukturelle Reformen gesetzt werden muss, die bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen sind.

